Erst Karriere, dann schwanger, dann Wechseljahre: alles nach Plan

„Sie haben in Ihrem Beruf nun alles erreicht. Was darf‘s denn jetzt sein? Wie wäre es denn mit einer Schwangerschaft kurz vor den Wechseljahren? Das wäre doch jetzt passend, oder?“

weinendes Baby
Schwangerschaft vor den Wechseljahren

Ein solches oder ähnliches Szenario schoss mir durch den Kopf, als ich neulich SPIEGEL online las. Der erste Artikel „Bluttest sagt Wechseljahre voraus“ klang optimistisch.Eine persische Forscherin hätte in einer 12jährigen Studie, so steht es dort, den Zusammenhang zwischen einem im Blut nachweisbaren Hormon (AMH) und dem Beginn der Wechseljahre geschaffen. Die Wissenschaftler der Arbeitsgruppe hoffen, dass dieser Bluttest in Zukunft Frauen bei der Familienplanung helfen kann. Mit diesem Wissen, so die Redakteurin weiter, könnten Frauen ihre Schwangerschaften und ihre Karriere optimal koordinieren.
Man stelle sich vor: Ein Leben nach Plan, alle Eventualitäten sind ausgeräumt. Erst Karriere, dann Kinder kriegen, dann hat Frau alles erreicht. Hat sie? Auch für den Mann wäre diese Planung auf dem Reißbrett gut: damit hätte er die ideale Partnerin an seiner Seite, die erst hilft, eine finanzielle Grundlage aufzubauen und dann – gerade noch rechtzeitig – ihren Job an den Nagel hängt und schwanger wird! Die Traumfamilie der Zukunft?

Doch auf Nachfrage hin zerplatzten diese Szenarien gottseidank wie Seifenblasen. PD Dr. U. A. Knuth vom Hamburger Endokrinologikum meinte zum medizinischen Zusammenhang nur trocken, dass die Höhe des AMH nicht zwingend die Fruchtbarkeit voraussagen könne. Andere Faktoren seien mindestens genauso wichtig, um schwanger zu werden. Und Stress sei nun mal keine gute Voraussetzung.

Ich war erst mal beruhigt – bis mir 2 Tage später ein weiterer SPIEGEL online Artikel ins Auge fiel: „Mehrheit der Frauen möchte ihre Eizellen einfrieren“. Mehrheit der Frauen? Warum? Die Redakteurin klärt mich in ihrem Artikel auf: „Wenn für die Frau der richtige Zeitpunkt gekommen ist, lässt sie die Eizellen wieder auftauen, mit den Samenzellen des Mannes befruchten und sich einsetzen.“ Aha. Weiter unten wird erwähnt, dass es sich bei der Studie um genau 15 Frauen von zirka 38 Jahren gehandelt hat, die ihre Eizellen haben einfrieren lassen. Sieben von ihnen erwogen eine künstliche Befruchtung per Samenspende und das Schicksal einer allein erziehenden Mutter, weil „sie noch nicht den richtigen Mann gefunden hätten“.

Also doch Wunschkindplanung nach Maß?

Wieder war es Prof. Dr. U. A. Knuth, der die Bilder meines Kopfkinos auf Eis legte: „Das Einfrieren von unbefruchteten Eizellen vorsorglich zu machen, ist experimentell!“ beruhigte er mich, und weiter: „Man kann keiner gesunden Frau raten, im Hinblick auf Vorsorge eine Einfrieraktion zu starten!“ Zu gering seien beim momentanen Stand der Wissenschaft die Chancen, nach der Implantation einer nach dem Auftauen intakten Eizelle wirklich nach Plan vom idealen Partner befruchtet und schwanger zu werden.
Na gut, ich atme also erst mal auf und überlasse weiterhin die normale, gesunde Frau ihrem zwischenmenschlichen Schicksal. Gut, dass man das alles noch nicht so planen kann, oder?

Was denken Sie, liebe Leserinnen? Karriere nach Plan und dann schnell noch schwanger? Eizellen auf Vorrat im Eis? Oder alles einfach laufen lassen? Schreiben Sie mir Ihre Meinung, ich freue mich darüber!

Ihre Sonja

2 Kommentare zu: »Erst Karriere, dann schwanger, dann Wechseljahre: alles nach Plan«

  1. Guten Tag,

    ich finde es gut das es diesen neuen Test gibt. Denn mich haben die Wechseljahre mit 31 Jahren überrascht ! Und nun ist es zu spät für ein Kind. Heutzutage muß eine Frau wenn sie die Pille nimmt schließlich aktiv planen ein Kind zu bekommen. Aber wenn Mann noch nicht so weit ist, wartet man weil ja alle anderen auch erst später Kinder bekommen. Wenn ich früher den AntiMüller Test gekannt hätte, hätten wir von den kommenden Wechseljahren gewusst und uns beeilt. Ich werde meiner Schwester auf jeden Fall dazu raten den Test zu machen ! Und was das Einfrieren angeht, es gibt z.B. auch Frauen die eine Bestrahlung machen müssen (ich gehöre nicht dazu) und danach keine Kinder mehr bekommen können. Da ist einfrieren sehr gut. Außerdem sind Eizellen die jungen Jahren entnommen werden viel gesünder als spätere ! Bitte nicht so pauschal urteilen ! Wegen einer Meinung wie die Ihre bleibt die Eizellspende in Deutschland verboten aber alle gehen ins Ausland.

    1. Liebe Sabine,

      vielen Dank für Ihren interessanten Kommentar! Bitte verstehen Sie meinen Artikel nicht so, dass ich diese Tests und Verfahren pauschal ablehne. Mein Blogbeitrag stellt meine persönliche Meinung dar. Ich beziehe mich hier lediglich auf die gesunde Frau, die erst eine Karriere und dann eine Schwangerschaft nach Plan ins Auge fasst. Ich rede nicht von Chemotherapie oder Unfruchtbarkeit oder gar Eizellenspende. Das sind Bereiche, die eine fundierte ärztliche Diagnose benötigen.

      Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft, Ihre Sonja

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