ICH WILL MEIN LEBEN ZURÜCK! Oder vielleicht doch lieber ein ganz neues?

Frau hat es selbst in der Hand

Früher war alles viel einfacher. Wenn wir nach dem Urlaub ein paar Pfunde zu viel auf den Hüften hatten, war das kein Problem. Wir haben einfach ein paar Tage etwas weniger gegessen oder ausnahmsweise mal ein paar Sporteinheiten absolviert. Und schon war das Wunschgewicht wieder erreicht. Nachts haben wir geschlafen. Meistens sogar durchgeschlafen. Und wenn wir wach waren, dann war das freiwillig, weil wir ganz bewusst die Nacht zum Tag gemacht haben. Heute ist alles anders. Wir kämpfen mit nächtlichen Schweißausbrüchen, hartnäckigen Speckröllchen und plötzlich auftretender Weltuntergangsstimmung. Ein unerträglicher Zustand. Zeit, daran etwas zu ändern!

SIE SIND DA!

Eigentlich ist doch alles in Ordnung. Wir sind um die 50 und haben in unserem Leben so einiges erreicht. Wir haben einen Beruf erlernt (vielleicht sogar Karriere gemacht), einen Partner fürs Leben gefunden, Eigentum erworben, unsere Kinder groß gezogen und uns einen kleinen bescheidenen Wohlstand erworben. Auch wenn nicht alles perfekt ist und wir auch nicht alles erreicht haben, was wir uns irgendwann einmal vorgenommen haben, so können wir doch ganz zufrieden sein, uns zurück lehnen, tief durchatmen und unser Leben genießen…

Können wir eben nicht! Denn nun sind sie da, die Wechseljahre. Unser Gewicht macht, was es will, unser Körper hat sich so verändert, dass er irgendwie nicht mehr unser Körper ist, und wir sind weit davon entfernt, nachts freiwillig wach zu bleiben, selbst wenn der Papst mit uns Geburtstag feiern will. Schließlich liegen wir sowieso oft genug wach, weil uns mal wieder eine Hitzewallung oder Herzrasen oder beides zusammen geweckt hat. Wir sind abwechselnd schlecht gelaunt oder depressiv, und das Unverständnis unseres nicht menopausierenden Umfelds trägt nicht gerade dazu bei, dass wir uns besser fühlen.

Und das soll nun die nächsten Jahre so gehen? Ich lese im Internet, dass ich mich wohl offensichtlich gerade in der Perimenopause befinde. Das sind die Jahre vor der letzten Regelblutung. Symptome wie Schlafstörungen, Hitzewallungen oder Schweißausbrüche prägen diesen Zeitabschnitt. Das kommt mir bekannt vor.

Um das 50. Lebensjahr haben die meisten Frauen ihre letzte Regelblutung. 12 Monate danach beginnt die letzte Phase der Wechseljahre, die Postmenopause, die wiederum mehrere Jahre dauern kann. Aber zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr sollen die Wechseljahre dann endgültig abgeschlossen sein.

What? Das wären ja noch… ja, richtig, schlappe 10 bis 15 Jahre. Bei mir macht sich Verzweiflung breit. Und dass ich hier lesen kann, dass während der Postmenopause zu den bereits bestehenden Symptomen häufig noch Beschwerden wie trockene Haut (hab ich doch jetzt schon!), Haarausfall (???), Haarwuchs im Gesicht (!!!) oder auch Osteoporose hinzukommen, ist nicht gerade ermutigend.

Das ist ja entsetzlich! Und wo soll das denn noch hinführen? Ich fühle mich jetzt schon ziemlich elend, wenn ich wieder mal um 4 Uhr morgens schweiß gebadet aufwache und zwei Stunden wach liege, um dann schließlich kurz vor dem Klingeln des Weckers wieder tief und fest einzuschlafen. Und ganz ehrlich: Das mit der Osteoporose klingt ja schon schrecklich genug, aber wenn mir dann noch ein Bart wächst, erschieße ich mich.

RETTUNG IN SICHT

Es ist schwer zu sagen, ob meine schlechte Laune wechseljahrebedingt oder einfach das Resultat meiner Internet-Recherche ist… Aber STOPP! Habe ich nicht in den letzten 50 Jahren gelernt, dass frau nicht gleich aufgibt? Dass frau fast alles in den Griff kriegen kann und mit fast allem fertig werden kann, wenn sie möchte? Hochzeiten, Scheidungen, Todesfälle und andere Kathastrophen mit eingeschlossen… Also recherchiere ich weiter. Kurz bevor ich in Panik verfalle, lese ich, dass die Wechseljahre nicht alle Frauen gleich treffen und dass es manche beneidenswerte Geschöpfe gibt, die ganz von diesen Symptomen verschont bleiben. Und ich lese außerdem, dass man selbst viel dafür tun kann, auch in den Wechseljahren fit und gesund zu bleiben.

Ja, es ist ein Kraut gewachsen gegen die Beschwerden der Wechseljahre. Und damit meine ich nicht nur die Heilpflanzen, die es in Form von pflanzlichen Präparaten gibt, die tatsächlich die Wechseljahrebeschwerden stark lindern können (ich spreche aus Erfahrung). Ich meine auch Dinge des alltäglichen Lebens, die wir selbst in der Hand haben und mit denen wir uns selbst helfen können.

Das sind so banale Dinge wie

– sich gesund zu ernähren,

– sich ausreichend zu bewegen,

Gelassenheit zu üben und Stress zu vermeiden und

ein soziales Netzwerk zu pflegen, das uns auffängt, wenn uns die Wechseljahr-Depression dann doch erwischt.

Dann kann ja nichts mehr schief gehen. Allerdings werden sich die meisten von uns die Frage stellen, wie sie das in die Tat umsetzen sollen. Wenn man schon jahrelang keinen Sport mehr getrieben und wenig auf seine Ernährung geachtet hat, ist es gar nicht so leicht, plötzlich alles anders zu machen. Sich gesund zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen. Und das ganze bitteschön ohne Stress und ganz gelassen. Und waren wir die letzten Jahre nicht viel zu sehr mit unserer Karriere und unserer Familie beschäftigt und haben so viele soziale Kontakte sträflich vernachlässigt?

Ich spüre, es wird höchste Zeit, etwas zu verändern, auch wenn ich noch nicht weiß, wie das gehen soll. Das Tolle an den Wechseljahren ist ja, dass wir schon über eine gehörige Portion Lebenserfahrung verfügen, wenn sie uns ereilen. Eigentlich wissen wir ziemlich genau, was im Leben wichig ist und was wir wollen.
(Kein Vergleich zu unserem 20- oder 30-jährigen Ich!) Und wir wissen natürlich auch, was wir nicht wollen und was wir dringend verändern sollten. Auf der anderen Seite haben wir noch genügend Lebenszeit vor uns, so dass es sich richtig lohnt, Dinge anzupacken und zu verändern.

Zeit der Veränderung

In meinem Fall bedeutete das vor anderthalb Jahren, den Beruf, den ich 20 Jahre ausgeübt habe, an den Nagel zu hängen, eine Weiterbildung zur Ernährungsberaterin zu machen und einen Food Blog aufzubauen. Das hat besser funktioniert, als ich dachte, und ich bin heute glücklicher und zufriedener als ich es je zuvor in meinem Leben war. Außerdem ernähre ich mich gesünder und mache mehr Sport. Um genau zu sein, ich mache zum ersten Mal überhaupt in meinem Erwachsenenleben Sport…

Aber ich will ehrlich sein: Wenn ich nachts wegen einer Hitzewallung wach liege, dann fühlt sich das gar nicht gut an. Und dann fühle ich mich am nächsten Tag auch alles andere als fit. Aber ich habe gelernt damit umzugehen („Ganz ruhig bleiben, es wird nicht besser, wenn du dich aufregst, einfach abwarten, das geht vorbei…“). Und ich habe gelernt, dass es auf meinem Weg in eine glücklichere und gesündere Zukunft wichtig ist, nicht stehen zu bleiben. Einfach einen Schritt nach dem anderen zu gehen. So habe ich die wertvolle Erfahrung gemacht, dass ich durchaus etwas verändern kann und dass ich dem, was mit mir gerade passiert, nicht völlig wehrlos ausgeliefert bin.

Vor zwei Jahren hätte ich mir niemals erträumt, jemals als Ernährungsberaterin, Bloggerin und Autorin zu arbeiten und so jeden Tag etwas zu tun, was mir große Freude bereitet, unglaublich sinnstiftend ist und mich einfach glücklich macht. Ich hatte damals noch nicht einmal einen genauen Plan, was ich machen wollte. Mir war nur klar, dass es so, wie es war, nicht weiter gehen konnte. Und ich wusste, dass gesunde Ernährung meine große Leidenschaft ist.

Bei allen Höhen und Tiefen, die ich in den letzten anderthalb Jahren erlebt habe, kann ich heute sagen, dass es richtig war, diesen Weg einzuschlagen. Dass es sich gut anfühlt, Menschen helfen zu können und mit Schreiben und Fotografieren kreativ tätig zu sein. Und dabei habe ich eines gelernt: Wir dürfen nicht zu lange warten. Wir müssen irgendwann den Sprung ins kalte Wasser wagen und den ersten Schritt gehen, wenn wir etwas verändern wollen. Dabei muss es nicht gleich ein so großer Schritt wie ein Berufswechsel sein. Wir können zum Beispiel einfach damit beginnen uns gesünder zu ernähren oder uns mehr zu bewegen.

Und das Wunderbare darin ist: Wenn wir den ersten Schritt erst einmal gemacht haben und offen für Neues sind, ergibt sich aus diesem ersten Schritt dann vieles ganz von alleine. Also wenn wir zum Beispiel unsere Ernährung verbessern, fühlen wir uns gesünder und fitter und haben auch mehr Lust und Energie, uns zu bewegen. Oder wie wäre es zum Beispiel damit, sich wieder regelmäßiger mit der besten Freundin zu treffen? Und dieses Treffen dann mit einem Spaziergang im Wald zu verbinden. Dann haben wir gleich zwei Dinge getan, die uns gut tun und die uns glücklich machen.

Die Wege sind da, wir müssen nur noch loslaufen. Dann werden wir leichter und unbeschwerter durch die Wechseljahre kommen. Und wir bekommen mit jedem Schritt, den wir gehen, ein Stück unseres Lebens zurück – oder vielleicht sogar ein Stück von einem anderen, einem besseren Leben!

Eva Ehehalt

Eva Ehehalt

Eva ist Ernährungsberaterin, Autorin und Bloggerin. Auf Ihrer Seite findet Ihr viele tolle Tipps und Rezepte: www.leckervital.com

7 Kommentare zu: »ICH WILL MEIN LEBEN ZURÜCK! Oder vielleicht doch lieber ein ganz neues?«

  1. Liebe Eva
    Lieben Dank für deinen ermutigenden Artikel! Ich bin zwar noch ein paar Jährchen von der 50 entfernt, nehme aber trotzdem viel Inspirierendes mit! Mutig sein,Dinge zu verändern…..egal wann! Es ist nie zu spät dafür! Und das Ganze gepaart mit der nötigen Gelassenheit:-) Zeit zum loslegen und üben

    1. Liebe Alex,
      vielen Dank für den netten Kommentar! Es freut mich wirklich sehr, dass dir der Artikel gefällt! Und du hast sooo Recht: Gerade wir Frauen können so viel bewegen, wenn wir die Themen, die uns am Herzen liegen, mutig angehen!
      In diesem Sinne alle Liebe für dich! 🙂

  2. Liebe Eva,
    da wollte ich schon vorbeiscrollen, weil ich mir dachte: Nein, du liest dir KEINEN Artikel über diese verf…..n Wechseljahre durch!
    Gott sei Dank hab ich ihn doch gelesen, mit einem Schmunzeln und viiiel innerlichem Kopfnicken (jajaja, GENAU SO ist das! Schwitzen, heulen, nachts Erdbeertörtchen zählen, um wieder Einzuschlafen oder doch lieber die Bügelwäsche fertigmachen?!)
    Danke dafür! 😊

  3. Hallo Eva,du hast mir aus der Seele gesprochen. Ich bin 48Jahre und seit 1Jahr in den Wechseljahren.Habe bisher nur Hitzewallungen, aber das reicht schon.Ich habe alles schlechte in meinem Leben verbannt,so das ich kein Stress mehr habe und das klappt ganz gut,konzentriere mich jetzt auf das Schöne und auf mein Mann, der mich auf Händen trägt und mich sehr gut versteht.Wünsche dir weiterhin alles Gute.lg

  4. Man liest deinen Artikel und möchte gar nicht mehr aufhören. Es ist eine gewisse Frische die man als Brise empfindet…und ich bin mir sicher…es wird nicht ganz so schlimm…mit den Wechseljahren…denn wenn man im Herzen jung bleibt…dann ist der Rest Nebensache….ich habe gestern einen tollen Film mit Hannelore Elsner…Jutta Speidel und …na…wie heisst sie…die Uschi Glas…einsame Herzen…oder so ähnlich war der Titel…und da ging es darum dass man irgendwie abgestempelt wird wenn man älter wird…doch im Herzen hat sich nichts verändert… man ist immer noch dieselbe Person…. die sich nur äußerlich verändert…. aber man darf sich nicht aufgeben…niemals.

  5. Hallo Eva ich bin in den Wechseljahre und es war ganz genau so wie du es beschrieben hast
    Aber jetzt ist es viel besser ich bewege mich mehr und mache jetzt mit 50 Jahren noch mein Führerschein vielen Dank

  6. Hallo ich bin schon vor den 50 schon in den Wechseljahre drin bekomme auch Tabletten dafür. Irdend wie bringt mir das nicht wirklich was. Ich bin In einen tief traurig kein antrieb immer müde keine Lust für sex. U. Wenn dann klabt es nicht von meinen Mann weil er 60 ist. Er war auch schon beim Arzt u. Er nimmt sie nicht immer wenn es dazu kommt. Also gehe ich leer aus. Habe schon mit ihn darüber geredet. Bringt ergentwie nix. Ich habe auch Knie Probleme das kommt auch noch viele ops gehabt. Fühle mich richtig aus gelaucht. Gibt es noch Hoffnung für mich. Ich weine viel wenn ich im Bett liege. Was kann ich machen bin radlos. Hast du für mich einen guten Rat. Bin seit 39 Jahren Verheiratet u. Will nicht alles weg werfen all die Jahre. Heul. Ich werde dieses Jahr noch 52 Jahre alt. Ich kann auch nicht abnehmen essen nicht viel esse auch gesund. Gönne mir ab u. Zu auch mal was wo ich Lust drauf habe. Kannst du mir bitte helfen. LG Claudi

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