Ein Essen mit Freunden, Feierlichkeiten oder das Gläschen zur Entspannung am Abend – Alkoholkonsum ist häufig nicht nur Teil des gesellschaftlichen Lebens, sondern gehört bei vielen Menschen auch zum abendlichen Ritual, um den Tag ausklingen zu lassen. Soweit, so akzeptiert.
Auch, wenn natürlich immer die Gefahr besteht, dass Alkohol in manchen Fällen zu häufig, zu exzessiv oder zu instrumentalisiert genossen wird. Dass dies zum Problem werden kann steht außer Frage. Der Fokus dieses Beitrags liegt aber auf den speziellen Folgen grundsätzlichen Alkoholgenusses in den Wechseljahren und welche Besonderheiten in dieser Lebensphase zusätzlich auftreten können.
Wenn sich die eigene Reaktion auf Alkohol während des Klimakteriums verändert
Wenn Frau bemerkt, dass der „Sprizz“ mit den Freundinnen oder der Drink am Abend nicht mehr ganz so spurlos an ihr vorbeigeht wie früher, dann können die Wechseljahre der Grund dafür sein. Denn die weitreichende hormonelle Umstellung bringt nicht nur Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen und zumeist auch eine Gewichtszunahme mit sich, sondern auch Veränderungen im Stoffwechsel. Die wiederum führen dazu, dass sich die Verarbeitung (und damit oft auch die Bekömmlichkeit) von Alkohol verändert bzw. verlangsamt. Davon wird selbstverständlich auch die eigene körperliche Reaktion – z.B. wie schnell man sich alkoholisiert fühlt – beeinflusst. In vielen Fällen können sich zudem verschiedene der typischen Symptome der Wechseljahre verschlimmern.
Warum hat Alkohol während der Wechseljahre besondere Auswirkungen?
Tatsächlich gibt es eine Reihe ganz unterschiedlicher Gründe, warum von Alkohol eine besondere Gefährdung im Klimakterium ausgeht bzw. dieser anders wirkt, als in den Jahren davor.
Darum ist beim Genuss von Alkohol in den Wechseljahren Vorsicht geboten
- Der sinkende Östrogenspiegel beeinflusst den Abbau von Alkohol im Körper.
- Der Stoffwechsel verlangsamt sich und Alkohol verbleibt länger im Kreislaufsystem.
- Die Leber verlangsamt ihre Tätigkeit und entgiftet darum langsamer.
- Emotionale Belastungen sind häufig stärker, was zu einem erhöhtem Alkoholkonsum zwecks
Entspannung führen kann. - Körperliche Reaktionen auf Alkohol fördern Beschwerden der Wechseljahre wie z.B. Hitzewallungen.
- Alkoholkonsum mindert die ohnehin oft schlechte Schlafqualität zusätzlich, die körperliche
Regenration ist gestört. - Das Risiko für Krebserkrankungen steigt.
- Ein erhöhter Verlust von Muskelgewebe droht.
- Das ohnehin schon erhöhte Risiko an Osteoporose zu erkranken steigt.
Warum die vorgenannten Aspekte speziell in den Wechseljahre besonders riskant werden, dazu
nachfolgend einige Erläuterungen.
Sinkender Östrogenspiegel & Alkoholkonsum in den Wechseljahren
Viele Frauen in und nach den Wechseljahren bemerken, dass Sie den Genuss von Alkohol nicht mehr so gut vertragen wie zuvor. Bemerkbar macht sich das z.B. daran, dass der Alkohol einem schneller zu Kopf steigt oder Frau schon nach 1-2 Glas Wein am nächsten Tag völlig gerädert aufwacht. Schuld daran ist dann wahrscheinlich der sinkende Östrogenspiegel. In den Wechseljahren ist das Hormon Östrogen nicht nur für die Menstruation verantwortlich, sondern ihm kommt auch eine entscheidende
Rolle zu, wenn es darum geht, wie schnell der Körper Alkohol abbauen kann. Östrogen unterstützt die Aktivität bestimmter Leberenzyme. Vor allem der sogenannten Alkoholdehydrogenase, die am Abbau von Alkohol im Körper beteiligt ist. Sinkt der Östrogenspiegel also, wird der Alkoholabbau langsamer – und das bedeutet, dass der Alkohol nicht nur stärker wirkt, sondern auch länger im Körper verbleibt. So ist nicht nur weniger Alkohol nötig, bis seine typische Wirkung auftritt, sondern auch die möglichen unangenehmen „Nachwirkungen“ halten länger an. Zudem hat Alkohol Auswirkungen auf den Hormonhaushalt und kann so zum Beispiel auch die Östrogenproduktion in den Eierstöcken zusätzlich beeinflussen.
Verlangsamter Stoffwechsel in den Wechseljahren & die Folgen von Alkoholkonsum
Dass sich der Stoffwechsel mit dem Alter verlangsamt, ist kein Geheimnis. Selbstverständlich ist auch der Fremdstoff Alkohol davon betroffen. Wenn der Körper langsamer verstoffwechselt, dauert es schlichtweg länger, bis der Alkohol vollständig abgebaut ist. Durch die Umstellung des Stoffwechsels sinkt auch der Wasseranteil in den Zellen, dafür steigt der Fettanteil. Wenn der Flüssigkeitshaushalt mit fortschreitendem Alter im Körper also sinkt, führt dieselbe Menge an Alkohol während der Wechseljahre zu einer höheren Konzentration im Blut. Da Alkohol sich aber in Wasser löst und nicht in Fett, kann ein Glas Wein so wirken wie früher eine Flasche. Zwar kommt der Rausch schneller, aber auch der Kater wird schlimmer.
Langsamere Alkohol-Entgiftung durch die Leber – was bedeutet das im Klimakterium?
In unserem Körper ist die Leber das Organ, das den Großteil des Alkohols abbaut. Aber auch sie verlangsamt ihre Tätigkeit mit zunehmendem Alter. Wenn wir schneller berauscht werden und länger mit den „Nachwehen“ zu kämpfen haben, leben wir dann also theoretisch eigentlich gesünder? Dem ist natürlich nicht so, denn weil die Leber im Alter sukzessive langsamer arbeitet, kann sie anfallende Stoffe wie Alkohol oder andere Gifte auch weniger effektiv abbauen. Die Belastung für den Organismus wird also auch bei weniger Konsum höher. Der längere Verbleib nötig abzubauender Stoffe im Kreislaufsystem bedeutet gleichzeitig, dass die Gifte mehr Zeit haben, gesundheitlichen Schaden zu verursachen.
Emotionaler Stress in den Wechseljahren – wenn Alkohol zur vermeintlichen Lösung wird
Stimmungsschwankungen und emotionale Aufs und Abs spielen in den Wechseljahren eine große Rolle. Hinzu kommen die vielen typischen Wechseljahres-Symptome wie brain fog, Schlafstörungen oder auch nervöse Unruhe. Sorgen, alles nicht mehr bewältigen zu können, weil das persönliche Wohlbefinden und damit die Leistungsfähigkeit sinken, belasten zusätzlich. Denn oft werden die vormals erledigten Aufgaben des täglichen Lebens oder auch im Beruf zu einer Herausforderung und die Belastungsgrenze ist viel früher erreicht als bisher.
Das alles lässt den Stresspegel in dieser Zeit steigen. Motive genug, manchmal die vermeintlich einfache Lösung, um den Stress zu vertreiben oder
sich zu entspannen, zu suchen und zu einem Gläschen Wein, Prosecco oder anderem Alkohol zu greifen. Hier sei aber ganz klar gesagt: auch wenn es Frau subjektiv so vorkommen mag, Alkohol ist da keine Hilfe, sondern eher kontraproduktiv.
Denn auch wenn ein Drink kurzfristig vermeintlich tatsächlich Erleichterung verschafft, mittel- und langfristig verstärkt Alkoholkonsum die Beschwerden der Wechseljahre wie Schlafstörungen, Hitzewallungen etc. Es ist also Vorsicht geboten, denn schnell kann sich daraus ein Teufelskreis ergeben: Es wird häufiger zu Alkohol gegriffen, um sich vermeintlich kurzfristig besser zu fühlen, die Symptome verstärken sich dadurch aber immer mehr, was wiederum dazu führt, dass noch mehr Alkohol konsumiert wird.
Wie kann Alkohol die Symptome der Wechseljahre verstärken?
Tatsächlich gibt es verschiedene Aspekte, die dafür sorgen, dass Alkohol einige Symptome der Wechseljahre deutlich verschlimmern kann.
Hitzewallungen und Alkohol
Der sinkende Östrogenspiegel wirkt sich auch auf das Temperatur-Regulationszentrum im Gehirn, genauer gesagt den Hypothalamus, aus. Das Gehirn reagiert auf Schwankungen empfindlicher, weil sich die sogenannte „thermoneutrale Zone“ verengt. Die Folge ist, dass schon kleine körperliche
Veränderungen, wie beispielweise eine leicht ansteigende Körpertemperatur dazu führen, dass eine Hitzewallung ausgelöst wird.
Kommt in dieser Zeit der Hormonumstellung dann noch Alkohol hinzu, ist das ein wahrer Hitzewallungs- Booster. Denn Alkohol erweitert die Blutgefäße. Viele werden den Effekt kennen, wenn sich die Wangen nach einem Gläschen erwärmen oder röten. In den Wechseljahren können bereits kleine Mengen Alkohol die Temperaturwahrnehmung des Körpers aus dem Gleichgewicht bringen. Was sich in Zeiten vor dem Klimakterium vielleicht als angenehmes Wärmegefühl bemerkbar macht, wird während der Wechseljahre oft unangenehm. In Zeiten des Wechsel nämlich, lässt der erweiternde Effekt auf die Blutgefäße Alkohol zum wahren Booster für Hitzewallungen werden. Schon eine geringe Alkoholmenge kann dann eine Hitzewallung auslösen. Vor allem Rotwein, Sekt und hochprozentige Getränke stehen im Verdacht das plötzliche Hitzegefühl hervorzurufen.
Alkohol, Schlafqualität & Körpergewicht in den Wechseljahren
Vielleicht ist es nicht jeder Frauen wirklich bewusst, aber Alkohol, Schlafqualität und Gewicht stehen in engem Zusammenhang. Das natürlich nicht nur in den Wechseljahren, aber besonders in dieser Zeit bedingen sich die drei gegenseitig und können Symptome wie Schlafstörungen und Gewichtszunahme verschlimmern. Zwar kann Alkohol dabei helfen, besser einzuschlafen, er stört aber im weiteren Verlauf der Nacht den natürlichen Schlafrhythmus nachhaltig. Denn Alkoholkonsum sorgt dafür, dass vor allem die wichtigen tiefen und regenerativen Schlafphasen unterdrückt werden. Zumeist bedeutet das, dass die zweite Nachthälfte unruhig verläuft und Frau müde, ohne Energie und völlig gerädert aufwacht.
Das Fatale daran: Frau fühlt sich nicht nur schlapp, sondern die Energielosigkeit aufgrund der nicht erholsamen Nacht bringt die Hunger- und Sättigungshormone durcheinander. Das Hormon Leptin, das für das Sättigungssignal zuständig ist, wird reduziert, während das Hormon Ghrelin, das auch als
„Hungerhormon“ bezeichnet wird, ansteigt. Das heißt im Klartext: Am nächsten Tag ist der Appetit – vor allem auf schnelle Energien aus ungesunden Lebensmitteln – besonders hoch. Und das, wo die Wechseljahre ohnehin schon einen Kampf mit dem Körpergewicht bedeuten. Dass ein unruhiger und nicht erholsamer Schlaf viele weitere gesundheitliche Folgen haben kann, ist natürlich zusätzlich ein Argument, insbesondere am Abend auf Alkohol zu verzichten.
Gesundheitsrisiken durch Alkohol in den Wechseljahren
Aber nicht nur die direkten und zum Teil deutlich spürbaren Auswirkungen von Alkohol in den Wechseljahren spielen eine Rolle, auch eine Reihe langfristiger gesundheitlicher Risiken sind zu beachten. Allein durch den sinkende Östrogenspiegel während des Klimakteriums steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose (also Knochenschwund). Kommt Alkohol dazu, können sich diese Risiken noch deutlich erhöhen bzw. weitere hinzukommen. So beispielsweise wird auch die Gefahr an Brustkrebs zu erkranken höher – und das gilt insbesondere für Frauen in den Wechseljahren.
Alkohol verstärkt Muskelabbau
Fortschreitendes Alter allgemein, aber auch die Menopause im Besonderen, stellen Risikofaktoren für Sarkopenie dar. Das ist der Begriff für einen fortschreitenden Verlust an Skelettmuskelmasse, -kraft und -funktion. Diese Muskelerkrankung kann Stürze, Brüche, reduzierte Mobilität und im schlimmsten Fall Pflegebedürftigkeit nach sich ziehen. Der Prozess beginnt oft ab 50 Jahren damit, dass sich der Muskelaufbau verlangsamt und der Muskelabbau gleichzeitig beschleunigt wird. Frauen in den Wechseljahren gelten aufgrund des Östrogenmangels im Klimakterium als besonders gefährdet, weil im Umkehrschluss Őstrogentherapien gezeigt haben, dass sie positiven Einfluss auf die Muskelmasse nehmen können. Alkohol steht im Verdacht, den Verlust der Muskelmasse zusätzlich zu begünstigen, weil er die Synthese von Skeletmuskelproteinen hemmt.
Kein Alkohol in den Wechseljahren – ist der Feierspaß vorbei?
Nein, natürlich nicht. Dass man in den Wechseljahren besser „nein“ zum Gläschen Wein oder Prosecco sagt, ist aufgrund der vielen negativen Auswirkungen von Alkohol in den Wechseljahren sicher eine gute Idee. Wer jetzt denkt, dass jede Einladung oder Sommerparty damit nur halb so viel Spaß machen muss – weit gefehlt. Denn es gibt z.B. sehr leckere alkoholfreie Cocktails, von denen sicher auch viele Gäste begeistert sein werden.
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