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Stress war gestern – Heute bin ich gelassen, oder zumindest gelassener

Frau die gestresst in den Wechseljahren ist

Als Um-die-50-Jährige hat man vielleicht viele neue Probleme wie Einschlafstörungen oder unkontrollierte Gewichtszunahme, aber es gibt auch viele Vorteile. Man weiß zum Beispiel ganz genau, was einem gut tut. Deshalb rege ich mich über viele Dinge, mit denen sich mein jüngeres Ich tagelang beschäftigen konnte, einfach nicht mehr auf. Denn Stress ist schließlich ungesund und tut mir – und meinem sowieso schon gestörten Hormonhaushalt – einfach nicht gut. Und so bin ich in den letzten Jahren viel ruhiger geworden. Meistens zumindest…

Meine Schwägerin ist eine geduldige Zuhörerin. So hört sie mir auch jetzt schon eine ganze Weile am Telefon zu, wie ich mich aufrege. Nächste Woche will ich meinen Geburtstag mit meinen Freundinnen feiern. Gerade habe ich eine Absage von Susanne, einer meiner engsten Freundinnen, bekommen. Und dabei habe ich mit ihr schon darüber gesprochen, wann ich feiern will, BEVOR ich die Einladung verschickt habe. Ich rege mich nicht wegen der Absage auf, sondern über die Begründung. Sie hat an diesem Tag eine Veranstaltung, sie kann leider nicht kommen. Dabei ist diese Veranstaltung bereits um sieben (!!!) zu Ende. Und – HALLO – ich habe „ab 18 Uhr“ eingeladen.

Ich bin stinksauer. Und jetzt schimpfe ich wie ein Rohrspatz: „Das kann doch wohl nicht wahr sein. Es geht doch um meinen Geburtstag. Da kann ich doch als Freundin wenigstens vorbei schauen, auch wenn ich tagsüber etwas anderes zu tun hatte. Ist das etwa zu viel verlangt? Wozu hat man denn Freunde? Und ich Trottel habe letztes Jahr extra eine Verabredung verlegt, um zu ihrem Geburtstag gehen zu können.…“

Die Dinge friedvoll annehmen

Als ich eine kurze Pause mache (schließlich muss man ja auch mal Luft holen) höre ich die Stimme meiner Schwägerin, die ganz ruhig durch den Hörer kommt: „Versuch dich nicht aufzuregen! Ich habe gelernt, die Dinge, die ich nicht ändern kann, friedvoll anzunehmen.“ Was heißt denn hier „friedvoll annehmen“?

Ich bin einfach stinksauer und wie ich finde zurecht! Schweigen in der Leitung. Die Stille zeigt meiner Schwägerin wohl, dass es hier noch einer Erklärung bedarf: „Du kannst es doch eh nicht ändern. Und wenn du dich so darüber aufregst, machst du nur dir selbst den Stress. Dabei hat die Absage ganz sicherlich nichts mit dir zu tun. Wahrscheinlich ist deine Freundin gerade mit vielen anderen Themen beschäftigt und aus irgendeinem Grund mit deiner Einladung überfordert. Wir erleuchteten Um-die-50-Jährigen regen uns doch über so etwas nicht mehr auf.“

Damit hat sie es geschafft, dass mein Ärger innerhalb einer Sekunde verraucht. Und als sich die Rauchwölkchen fast vollständig verzogen haben, setzt auch mein Verstand wieder ein. Sie hat ja schließlich recht. Wenn mir meine Freundin absagt, wird sie ihre Gründe haben. Vielleicht hätte ich es mir anders gewünscht und vielleicht kann ich darüber enttäuscht sein, wahrscheinlich bin ich sogar zurecht sauer, aber es nützt niemandem, am allerwenigsten mir, wenn ich mich darüber aufrege. Im Gegenteil. Es schadet in aller erster Linie MIR.

Ich schaue nachdenklich den Rauchwölkchen hinterher und muss lachen. „Du hast ja recht,“ gebe ich zu. Wir erleuchteten Um-die-50-Jährigen wissen ja eigentlich tatsächlich sehr gut, dass es keinen Sinn macht, sich über das Handeln anderer Menschen aufzuregen. Und dass wir nur bedingt Einfluss darauf haben, wie sich andere verhalten. Und sicherlich hat meine Freundin einen wirklich guten Grund, wenn sie bei meinem Geburtstag nicht dabei ist. Vielleicht sollte ich sie einfach mal anrufen und nachfragen?

Mitleid mit meinem jüngeren Ich

Plötzlich wird mir bewusst, dass sich bei mir – was das Ärgern angeht – viel verändert hat. Ich kann jetzt wirklich nicht behaupten, dass ich mich gar nicht mehr ärgere. Da sind zum Beispiel die Raser, die vor unserem Haus mit 50 durch die Spielstraße brettern. Da kann ich mich so richtig aufregen! Und das kann man dann durchaus auch mal lautstark hören. Aber im Gegensatz zu früher nehme ich diesen Ärger nicht mehr mit nach Hause. Ich kann die Rauchwolken des Ärgers, wie eben im Telefonat mit meiner Schwägerin, auch ganz schnell wieder verrauchen und ihren Weg ziehen lassen.

Wenn mein jüngeres Ich eine Absage einer sehr guten Freundin gekriegt hätte, wäre es folgendermaßen damit umgegangen:

  1. Ärgern über die Absage
  2. Ärgern über die Absage
  3. Grübeln über die Gründe für die Absage
  4. Ärgern über die Absage
  5. Grübeln über die Gründe für die Absage
  6. Ärgern über die Absage

Je nachdem, wie groß der Ärger war, folgten dann auch noch Punkt 7 bis … Lassen wir das besser. Wie viel kostbare Lebenszeit geht verloren, wenn wir uns mit solche Dingen beschäftigen? Wenn wir uns ärgern, wenn wir grübeln und wenn wir uns damit letzten Endes selbst Stress machen? Wenn ich so darüber nachdenke, finde ich das einfach unglaublich anstrengend. Allein der Gedanke, seine Zeit mit Ärgern und Grübeln zu verbringen, raubt mir sämtliche Energie. Und ich habe ein wenig Mitleid mit meinem jüngeren Ich, das so viele negative Gedanken mit sich herum trägt.

 

Den Ärger einfach verrauchen lassen

Da rege ich mich doch lieber einmal kurz auf, lass dann meinen Ärger verrauchen und konzentriere mich wieder auf die positiven Dinge des Lebens. Und wenn ich ehrlich bin: Davon gibt es in meinem Leben – Gott sei’s gepriesen und getrommelt – jede Menge. Schließlich haben von den zwölf Freundinnen, die ich eingeladen habe, zehn zugesagt. Und die andere, die abgesagt haben, ist an diesem Tag einfach nicht da, weil sie im Urlaub ist.

Mein Vater konnte sich immer ganz furchtbar über alles mögliche aufregen: Darüber, dass jemand zu schnell durch die Straße gefahren ist (ha – woher ich das wohl habe?), dass die Müllabfuhr zu spät kam, dass ein Politiker nicht die Wahrheit gesagt hat (oh je, was müsste er sich da heute aufregen!) oder ganz einfach, dass jemand unpünktlich war.

Irgendwann, ich war schon lange ausgezogen, habe ich mich gewundert, dass er sich bei einem bestimmten Anlass nicht aufgeregt hat. Als ich ihn darauf angesprochen habe, meinte er nur lächelnd: „Ach, weißt du, ich bin inzwischen altersmilde.“ Damals konnte ich nicht so viel mit diesem Satz anfangen, aber inzwischen geht es mir häufig selbst so.

Eine riesengroße Entlastung

Wir Um-die-50-Jährigen haben einfach schon viel erlebt. Und viele Erfahrungen gemacht. Auch, wenn wir sicherlich nicht alles wissen und immer noch viel dazu lernen können, so wissen wir doch wesentlich mehr als unser jüngeres Ich. Und wir wissen, dass es sich bei vielen Dingen einfach nicht lohnt sich aufzuregen. Das kann verschiedene Gründe haben. Entweder wir wissen, dass wir etwas sowieso nicht ändern können, oder wir wissen, dass es eine Sache einfach nicht wert ist, sich darüber Gedanken zu machen oder sich gar darüber aufzuregen.

Und das ist eine riesengroße Entlastung. Sich nicht darüber aufzuregen, dass jemand anderes sich nicht so verhält, wie wir es uns wünschen. Sich keine Gedanken darüber zu machen, warum sich eine Freundin wochenlang nicht meldet. Und vor allem nicht darüber nachzudenken, ob wir vielleicht selbst etwas falsch gemacht haben, und das der Grund für die Funkstille ist. Die Dinge einfach – wie meine Schwägerin sagt –  friedvoll annehmen und so akzeptieren, wie sie sind.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich dadurch ganz viele Probleme, die ich früher vermeintlich hatte, ganz von alleine lösen. Ich hatte mal einen Chef, der sich jeden Tag an mir abgearbeitet hat. Alles, was ich getan oder nicht getan habe, hat er als Angriff auf sich selbst verstanden. Das war eine unglaublich anstrengende Zeit in meinem Leben. Ich hatte keine Lösung für dieses Problem und habe mich abwechselnd geärgert und mir Gedanken darüber gemacht, was ich falsch gemacht hatte und was ich anders machen könnte, damit sich dieses Problem löst.

 

Unsere Lebenszeit ist kostbar

Wie viel Lebenszeit und wie viel Energie habe ich mit diesem Thema verschwendet! Wenn ich nicht eine erleuchtete Um-die-50-Jährige wäre, würde ich mich glatt darüber aufregen… Und heute? Heute ist mir klar, dass ich nicht der Grund für das Verhalten meines Chefs war. Ich war und bin okay wie ich bin. Das Problem lag bei meinem Chef, der als narzisstische Persönlichkeit mit schwachem Selbstbewusstsein nicht anders konnte, als alle Handlungen seiner Umwelt als Angriff auf seine eigene Person zu sehen.

Und sicherlich hat meine Freundin mir nicht abgesagt, weil sie nicht Geburtstag mit mir feiern will. Sie ist schon seit längerem arbeitslos und macht gerade eine Umschulung. Gleichzeitig versucht sie momentan mehr oder weniger erfolgreich, sich von ihrem Mann zu trennen. Da war es sicherlich schlicht und ergreifend zu viel für sie, nach einer ganztägigen Veranstaltung auch noch zu meinem Geburtstag zu kommen.

Ich verabschiede mich von meiner Schwägerin, die mir noch einmal versichert, dass sie auf jeden Fall bei meiner Feier dabei ist und sich auch sehr darauf freut. Wie schön! „Ich freue mich auch!“, gebe ich – jetzt wieder fröhlich – zurück. „Es haben nur zwei abgesagt, wir sind also zu elft.“ Grinsend füge ich hinzu: „Und wenn noch jemand absagt, selbst schuld! Die soll dann einfach bleiben, wo der Pfeffer wächst!“

Eva Ehehalt
1 Kommentar zu: »Stress war gestern – Heute bin ich gelassen, oder zumindest gelassener«
  1. Hallo bin 65 Jahre habe vor 7 Jahre ein katzmiom gehabt deshalb darf ich keine Harmonie ich glaube ich habe depressiv stimmen nervöse unruhig meine Frauenarzt meint ich wäre noch in den Wechseljahre nehme schon Remifemin darf kein johanneskraut nehmen was raten sie mir Mit freundlichen Grüßen horder

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