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Welchen Einfluss haben die Wechseljahre auf eine Histaminintoleranz?

Frau mittlereln Alters steht in der Küche und trinkt einen grünen frisch gepressten Saft.

Wenn die Wechseljahre an die Tür klopfen, gibt es so einige Symptome, die sie mit im Gepäck haben. Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, ein dünnes Nervenkostüm oder auch körperliche Veränderungen wie Gewichtszunahme oder Haarausfall gehören dabei sicher zu den bekanntesten Begleiterscheinungen des Klimakteriums. Dass die Hormonveränderungen während der Wechseljahre aber auch Einfluss auf das Histamin haben können, ist wohl den meisten Frauen unbekannt. Dabei können die hormonellen Umstellungen eine vorliegende Histamin-Intoleranz nicht nur verstärken, sondern eine solche sogar erstmals hervorrufen. Aber welche Frau kommt schon auf die Idee, dass die Ursache für eine plötzlich laufende Nase, eine auftretende Hautrötung oder eine juckende Kopfhaut in den Wechseljahren zu finden ist? Sicher die wenigsten – insbesondere, wenn sie gerade schon mit den weit verbreiteten unangenehmen „normalen“ Nebenwirkungen der Wechseljahre zu kämpfen haben.

Und doch hängen die Wechseljahre und Histamin-Unverträglichkeiten häufig zusammen.

Was ist Histamin und welche Funktionen hat es?

Vor allem im Blut, auf der Schleimhautoberfläche oder direkt in der Haut verfügt unser Körper über Immunzellen wie Granulozyten und Mastzellen. Aufgabe dieser Zellen ist die Immunabwehr, also uns gegen das Eindringen von z.B. Viren, Bakterien, Pilzen oder anderen Erregern in unseren Körper zu schützen. Dem in diesen Zellen enthaltenen Gewebehormon Histamin kommt damit eine bedeutende Rolle zu, wenn es um die Abwehr und Bekämpfung von schädlichen Stoffen geht. Histamin ist damit wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems und wird dann freigesetzt, wenn entsprechende Reize auf uns einwirken. Das kann zu unterschiedlichen Reaktionen mit allergischem Charakter wie z.B. Juckreiz, Hautrötungen, tränenden Augen usw. führen. Als Botenstoff (Neurotransmitter) übernimmt Histamin aber auch eine Reihe weiterer, wichtiger Funktionen und ist für unseren Körper unverzichtbar.

Als körpereigenen Stoff kann unser Organismus Histamin selbst produzieren, kann es aber auch bei dem Verzehr histaminreicher Nahrung wie z.B. Rotwein, Käse oder Schokolade von außen aufnehmen.

Histamin und seine wichtigen Aufgaben im Körper

  • Histamin unterstützt das Immunsystem bei der Abwehr von Fremdstoffen.
  • Histamin regt die Produktion von Magensäure an und trägt zur Regulierung der Verdauung bei.
  • Histamin beeinflusst unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus im Gehirn.
  • Histamin fördert die Wachsamkeit.
  • Histamin erweitert die Blutgefäße, senkt zu hohen Blutdruck und verbessert die Durchblutung.
  • Histamin nimmt Einfluss auf die Darmbewegung.

Ein Zuviel an Histamin hat negative Auswirkungen auf den Organismus

Wird Histamin im Körper freigesetzt, wird es im Normalfall auch selbständig wieder abgebaut. Hierfür ist hauptsächlich das Enzym Diaminoxidase ( DAO) verantwortlich, das sich in der Darmschleimhaut, Leber, Niere und den weißen Blutzellen findet. Zellen die Histamin speichern, geben den Botenstoff normalerweise kontrolliert ab. Ist der gesamte Prozess gestört, es wird zu viel Histamin produziert oder dieser nicht ausreichend schnell abgebaut, führt das zu verschiedenen, allergieähnlichen, Symptomen:

Mögliche Symptome durch zu viel Histamin im Körper

  • Atemwegssymptome wie eine laufende Nase bzw. Schnupfen bis hin zu Asthma
  • Rötungen oder juckende Stellen bzw. juckender Hautausschlag am Körper
  • Gestörte Verdauung mit z.B. Magen-/Darm-Beschwerden
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Erschöpfung und Müdigkeit

Was ist eine Histaminintoleranz?

Man spricht von einer Histaminintoleranz, wenn der Körper Schwierigkeiten damit hat, Histamin effizient abzubauen oder zu verarbeiten. Dies wiederum führt zu einer Ansammlung von Histamin im Körper. Zum einen reagiert der Körper dann empfindlicher auf das Histamin, das über die Nahrung aufgenommen wird, zum anderen entsteht eine Störung im Abbauprozess und der Histaminspiegel im Körper wird zu hoch. Das o.g. DAO ist das entscheidende Enzym zur Regulierung des Histaminspiegels, weil es Histamin spaltet und am Abbau beteiligt ist. Ist diese Funktion des Enzyms beeinträchtigt, führt das im Umkehrschluss dazu, dass zu viel Histamin im Körper verbleibt und Symptome wie Kopfschmerzen, Hautausschläge, Magen-Darm-Beschwerden und andere auftreten können.

Wie schon erwähnt, ähneln die variierenden Symptome einer Histaminintoleranz oft auch allergischen Reaktionen. Eine echte Allergie ist es jedoch nicht. Die verwechselbaren Symptome machen eine Diagnose einer Intoleranz auf Histamin nicht ganz leicht. In Absprache mit einem Arzt kann aber der erste, einfache Schritt sein, histaminreiche Lebensmittel zu vermeiden. Gehen die Symptome zurück, spricht dies für eine Histaminintoleranz.

Hormone, Histamin und die Wechseljahre

Etwas ungläubig stellt Frau sich die Frage: Kann eine Histaminunverträglichkeit wirklich etwas mit den weiblichen Hormonveränderungen der Wechseljahre zu tun haben? Tatsächlich hängen diese beiden sogar recht eng zusammen. Gerade um die Menopause herum entwickeln eine Reihe von Frauen plötzlich Symptome einer Histaminintoleranz, was auf Hormonschwankungen und deren störenden sowohl direkten, als auch indirekten Einfluss auf die Histaminverarbeitung zurückzuführen ist.

Auswirkungen von Östrogen auf die Histaminintoleranz in den Wechseljahren

In den Wechseljahren berichten viele Frauen, dass sie erstmalig allergische Reaktionen wie z.B. Augentränen etc. an sich bemerken oder sich bestehende allergische Erkrankungen wie Ekzeme, Dermatitis, Asthma und sogar Heuschnupfen in der Zeit der hormonellen Umstellung verschlimmern. Es wird davon ausgegangen, dass der schwankende und abfallende Östrogenspiegel während der Wechseljahre diese Veränderungen verursacht. Östrogenrezeptoren finden sich im ganzen Körper, so auch in den immunregulierenden Zellen. Der unregelmäßige Östrogenspiegel stört die Immunreaktion des Körpers, worauf dieser anders oder heftiger auf zuvor harmlose Allergene reagiert. Der Körper verteidigt sich also, indem er mehr Histamin produziert und ausschüttet, was wiederum zu entsprechenden Symptomen führt.

Hinzu kommt, dass der Histaminspiegel seinen Höhepunkt erreicht, wenn auch der Östrogenspiegel hoch ist. Schwankt dieser, kann es zu einer Ansammlung von Histamin kommen, das der Körper nicht mehr abbauen kann. Die Folge: Eine Histamin-Intoleranz.

Histaminunverträglichkeit in den Wechseljahren und die Bedeutung von Progesteron

Auch das Hormon Progesteron hat Einfluss auf den Histaminspiegel während der Wechseljahre. Progesteron hat gleich drei Aufgaben: Es hat einen hemmenden Effekt auf die Mastzellen, beeinflusst so die Histaminfreisetzung und fördert gleichzeitig die Produktion des für den Histaminabbau wichtigen Enzyms DAO. Sinkt also der Progesteronspiegel während der Wechseljahre, entfällt der ausgleichende Effekt des Hormons. Es kommt zu einer verstärkten Histaminfreisetzung bei einem gleichzeitig schlechteren Abbau von Histamin.

Östrogen und Progesteron potenzieren sich zur Histaminintoleranz

Der Progesteronspiegel ist im Wechsel sogar noch niedriger als der Östrogenspiegel, weil er schneller sinkt. Progesteron kann so den Histaminabbau nicht mehr unterstützen und auch das Hormongleichgewicht nicht mehr herstellen. Eine Östrogendominanz ist die Folge und diese schränkt zum einen die DAO-Synthese ein und begünstigt zum anderen die Histaminausschüttung aus den Mastzellen. Eine erhöhte Ausschüttung an Histamin führt dann wiederum zu mehr Östrogen. Ein Kreislauf, den es nach Möglichkeit zu durchbrechen gilt.

Alterungsprozess erschwert den Histaminabbau zusätzlich

Hormonschwankungen und die dadurch veränderten Körperfunktionen spielen also eine wichtige Rolle, wenn es um Histaminintoleranz in den Wechseljahren geht. Hinzu kommt allerdings, dass auch zunehmendes Alter generell von Relevanz für das Histamin ist. Denn während des natürlichen Alterungsprozesses nimmt die Fähigkeit zum Histaminabbau grundsätzlich ab. Ausgerechnet im Alter um die Wechseljahre empfinden wir im Alltag häufig Stress und das bedeutet: Die Mastzellaktivität und damit auch die Histaminfreisetzung sind erhöht. Kommen dann noch weitere altersbedingte Erkrankungen oder Störungen z.B. Schilddrüsenunterfunktion, veränderte Immunfunktionen oder das metabolische Syndrom hinzu, bietet das leider beste Voraussetzungen für einen gestörten Histaminstoffwechsel.

Wie äußert sich Unverträglichkeit auf Histamin im Klimakterium?

Es ist grundsätzlich schwer zu erkennen, ob man an einer Histaminintoleranz in den Wechseljahren leidet oder andere Ursachen für die Symptome verantwortlich sind. Ein recht sicheres Zeichen: Ein gern genossenes Glas Rotwein am Abend mit einem leckeren, gut gereiften Stück Käse, führt plötzlich dazu, dass die Haut juckt, Magen-
Darm-Beschwerden auftreten oder uns ein Migräneanfall ereilt. Treten derart veränderte Reaktionen auf bestimmte Lebensmittel auf, kann eine Histaminintoleranz dahinterstecken. Und die kann die Lebensqualität – zusätzlich zu den möglichen klassischen Beschwerden der Wechseljahre – deutlich mindern.

Typische Symptome einer Histaminintoleranz in den Wechseljahren

  • Plötzliche Unverträglichkeit auf bestimmte (meist histaminhaltige) Lebensmittel
  • Vermehrte oder neu auftretende Magen-Darm-Probleme wie unerklärliches Bauchgrummeln,
    Blähungen, Durchfall oder Übelkeit
  • Erhöhte Müdigkeit trotz ausreichendem Schlaf (insbesondere nach dem Essen)
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Das Gefühl „benebelt zu sein“, ohne z.B. Alkohol getrunken zu haben
  • Niedriger Blutdruck
  • Schlafstörungen, Nervosität, innere Unruhe
    In schlimmen Fällen (häufig auch in Kombination):
  • Hautprobleme wie Rötungen, Juckreiz bis hin zu Nesselsucht
  • Herzklopfen/ -rasen
  • Schwindelgefühle
  • Atemprobleme

Hilfreiche Tipps bei einer Histaminintoleranz im Klimakterium

Wie beschrieben kann es unterschiedliche Auslöser und Ursachen für eine Histaminintoleranz geben. Aufgrund der besonderen Hormonsituation in den Wechseljahren können Symptome dabei erstmals oder aber schlimmer als zuvor auftreten. Es gibt aber einige Tipps, die helfen können, die eigene Histamin-Problematik zu verbessern.

Tipp 1. Histaminreiche bzw. Histamin-fördernde Lebensmittel meiden z.B.

  • fermentiertes Gemüse (z.B. Sauerkraut)
  • Essig
  • alkoholische Getränke grundsätzlich, im Besonderen Rotwein und Bier
  • Koffein
  • reife Käsesorten (z.B. Parmesan, Emmentaler, Blauschimmelkäse)
  • fertige Fischprodukte (z.B. Konserven), sonstige Fertigprodukte
  • Meeresfrüchte
  • geräucherte Fleisch- und Wurstwaren
  • bestimmte Obstsorten wie Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Ananas, Bananen
  • Sojaprodukte
  • Hülsenfrüchte und Nüsse
  • Schokolade
  • Tomaten und Ketchup

Tipp 2. Histaminarme Lebensmittel bevorzugen

Eine histaminarme Ernährung basiert auf frischen Lebensmitteln wie z.B.

  • frisches Fleisch, frischer Fisch, frische Eier
  • Wurzelgemüse wie Möhren, Rote Beete, Knollensellerie, Radieschen, Süßkartoffel, Zwiebel, Fenchel
  • Kürbisgewächse wie Gurke, Kürbis, Zucchini
  • Kohlsorten wie Brokkoli, Grünkohl, Rotkohl, Blumenkohl
  • Nachtschattengewächse wie Kartoffel, Paprika
  • Yamswurzel
  • Beeren wie Heidelbeere, Johannisbeere, Brombeere, Stachelbeere, Preiselbeere
  • Obstsorten wie Melone, Mango, Apfel, Granatapfel
  • Backwaren mit Natron (Backpulver)
  • Frischkäse, Hüttenkäse, Quark sowie ungereifte Käsesorten wie Mozzarella, junger Gouda, junger
    Butterkäse
  • pasteurisierte Milch und H-Milch
  • Butter (Süßrahm, Ghee), Crème fraîche, Sahne, Kokosöl
  • Mönchspfeffer
  • Naturreis
  • Quinoa

Tipp 3. Lebensweise in den Wechseljahren auf Histaminproblematik anpassen

Schon einfache Anpassungen des Lebensstils können bei einer Histaminintoleranz helfen.

  • Stress reduzieren, da Stresshormone wie Cortisol die Histamin-Freisetzung aus den Mastzellen
    anregen und so Symptome einer Histaminintoleranz verschärfen. Beim Stressabbau können z.B. Yoga,
    Atemübungen, Entspannungstechniken usw. helfen
  • Strahlenbelastungen durch WLAN und Handy reduzieren
  • Auf natürliche Helfer zur Beruhigung bzw. für einen entspannten Schlaf setzen wie Johanniskraut,
    Baldrian, Hopfen, Rosenwurz
  • Dauerhafte körperliche Überlastung vermeiden
  • Auf eine erhöhte Nährstoffzufuhr mit ausreichend Calcium, Eisen und Magnesium achten
  • Ausreichend bewegen

Tipp 4. In den Wechseljahren negative Einflüsse auf den Histaminspiegel reduzieren

Frauen, die unter einer Histaminunverträglichkeit in der Menopause leiden, sollten versuchen,
Umstände oder Produkte, die sich negativ auf den Histaminspiegel auswirken, zu meiden:

  • Medikamentenkonsum von Antidepressiva (insbesondere MAO-Hemmer), Schmerzmittel wie Aspirin
    und Ibuprofen, Diuretika, Medikamente gegen Übelkeit oder Erbrechen (z. B. Antihistaminika) und
    Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck wenn möglich reduzieren
  • Hausstaubmilbenkot regelmäßig entfernen (insbesondere aus älteren Matratzen), da dieser den
    Histaminspiegel im Körper erhöht.
  • Auf hormonhaltige Kosmetika verzichten
  • Schwermetallbelastungen, Umweltgifte etc. meiden
  • Auf Nikotin verzichten
  • Chronische Infektionen behandeln lassen
  • Zahngesundheit überprüfen lassen
  • Vital- und Mineralstoffe messen lassen und ggf. vorliegende Abweichungen zur Norm ausgleichen
  • Darmgesundheit checken lassen im Hinblick auf Allergien, Unverträglichkeiten, Reizdarmsyndrom o.ä.
Wechselweiber-Team
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