Noch „I’m your Valentine“ oder schon „Sexuelle Unlust“?
Bald steht er wieder an: der Valentinstag. Der Tag der Liebenden, den mein Mann und ich viele Jahre wirklich immer ganz besonders verlebt haben, weil wir uns an einem solchen kennenlernten. Entweder haben wir Reisen in romantische Städte oder solche, die für uns zumindest die Erinnerung an schöne Momente in sich trugen, unternommen oder wir haben uns auf andere Art einen gemeinsamen Tag gegönnt, an dem wir unsere Liebe feierten und lebten. Es waren immer wundervolle gemeinsame Erlebnisse und Stunden danach – ihr wisst schon ;-).
Immer war dieser Tag verbunden mit Nähe, Zärtlichkeiten, Wärme, Glück und natürlich Sex. Die schönste Sache der Welt war immer etwas, für das wir beide wie gemacht schienen. Unser Sex war leicht, erfüllend und unkompliziert. Kurz gesagt: Über viele Jahre konnten wir behaupten, ein erfülltes und regelmäßiges Liebesleben zu haben, wie man es sich nur wünschen konnte. Einfach perfekt. Niemals hätte ich geglaubt, dass sich das einmal ändern könnte…
Wenn die Wechseljahre das Liebesleben torpedieren
Und dann kamen die Wechseljahre. Anfangs noch mit leichten Symptomen, wuchsen sich die typischen Beschwerden der Wechseljahre wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, nächtliche Schweißausbrüche, Gewichtszunahme, Gereiztheit usw. immer weiter aus. Und ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich so gut wie keine Probleme der Wechseljahre ausgelassen habe. Ich schlief schlecht und wenn, wachte ich oft schweißgebadet auf, in mir tobte das Gefühlschaos und ich weinte zu nichtigen Anlässen oder wurde von einer plötzlichen, tiefen Traurigkeit übermannt, ich fühlte mich kraftlos, nahm aus unerklärlichen Gründen etliche Kilos zu, dafür verlor ich Haar und sah für meine Begriffe so unattraktiv wie nie zuvor in meinem Leben aus. Was ich früher mit Leichtigkeit bewältigt hatte, überforderte mich und ich hatte kaum Energie.
Ich fühlte mich immer unwohler in meiner Haut
Alles und jeder ging mir auf die Nerven. Auch mein Mann. Manchmal sogar besonders mein Mann und das ohne jeden ersichtlichen Grund. Ich zweifelte an mir, war ich doch immer eine lebensbejahende und positive Person gewesen. Und ich zweifelte an uns.
Denn anfangs beschäftigte ich mich nicht wirklich mit meinen Symptomen, geschweige denn, mit dem Gedanken, im Klimakterium zu sein. Meine eigene Veränderung führte ich auf erhöhten Druck im Job, viel zu viele alltäglich zu erledigende Aufgaben und eine daraus resultierende Erschöpfung zurück. Ich war müde, abgespannt, hatte häufiger Kopfschmerzen, meine Geduld ließ zu wünschen übrig und – auch wenn ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht erkannte – vieles, das mich zuvor überhaupt nicht aus der Ruhe bringen konnte, regte mich auf und ich reagierte immer häufiger überzogen und ungerecht.
Meine Veränderung führte u.a. dazu, dass mein Mann und ich immer häufiger Streit bekamen und auch auf Zweisamkeit oder gar Sex hatte ich absolut keine Lust mehr. Kam es dennoch zu Beginn der Wechseljahre hin und wieder noch zum Geschlechtsverkehr, hatte ich dabei fast immer Schmerzen, was unser Sexualleben nach und nach völlig zum Erliegen brachte. Zu dem Zeitpunkt waren das eindeutige Zeichen für mich, dass mein Mann und ich uns auseinandergelebt, einfach unterschiedliche Richtungen eingeschlagen hatten und ich überlegte immer häufiger, ob es nicht besser sei, sich zu trennen. Einzig das Gefühl tief drinnen, dass ich meinen Mann noch liebte, hielt mich davon ab, Nägel mit Köpfen zu machen. Gott sei Dank möchte ich heute sagen!
Hormonschwankungen der Wechseljahre und Folgen für Partnerschaften
Um mich aber zumindest mal über die Möglichkeiten zu informieren, traf ich meine ehemalige Schulfreundin Reni, die inzwischen als erfolgreiche Scheidungsanwältin tätig war. Das veränderte alles. Und zwar nicht, weil eine Scheidung folgte, sondern weil es den Anstoß dafür gab, dass ich inzwischen wieder eine funktionierende Partnerschaft mit meinem Mann führe! Und das kam so: Lange hatten Reni und ich uns nicht mehr gesehen und ausreichend Gesprächsstoff, was in den letzten Jahrzehnten so passiert war. Irgendwann fragte Reni dann: „Sag mal Lotte, du sprachst am Telefon davon, dich über Möglichkeiten einer Scheidung bei mir informieren zu wollen.
Wenn ich mir deine Erzählungen der letzten 20 Jahre so anhöre, kann ich ehrlich gesagt gar nicht verstehen, warum. Wie und was du über deinen Mann, deine Ehe und deine Kinder so sagst, klingt für mich ehrlich gesagt ziemlich optimal!“. Ich sah sie an. Schwieg kurz und überlegte. Wie offen konnte oder wollte ich sein?
Konnte ich ihr von all den Schwierigkeiten, z.T. auch intimer Natur, der letzten 2 Jahre berichten? Sollt sie meine Scheidungsanwältin werden, dachte ich, würde ja eh so ziemlich alles auf den Tisch kommen. Also berichtete ich ihr von den Veränderungen, die zwischen meinem Mann und mir entstanden waren.
Dass wir ständig aneinander vorbeiredeten, mir seine – bis dahin von mir geliebte – Art, die Dinge zu durchdringen auf die Nerven ging, seine Segelleidenschaft aus meiner Sicht viel zu viel Zeit fraß, ich aber auf der anderen Seite kaum noch Interesse hatte, Zeit mit ihm zu verbringen, ich ihn zwar noch immer äußerst attraktiv, gleichzeitig aber Berührungen oder schon, dass er mich intensiv ansah, fürchterlich fand usw.
„Sag mal, bist du schon in den Wechseljahren?“
Ich redete und redete und irgendwann unterbrach mich Reni mit der Frage: „Sag mal, bist du schon in den Wechseljahren?“. „Ich glaube schon“, antwortete ich. „Was? Das weißt Du nicht?“, sie lachte. „Mal ehrlich Lotte, Dein Ernst?“. „Naja….meine Tage habe ich schon ne Weile nicht mehr bzw. so alle paar Monate vielleicht mal. Ich denke, das deutet darauf hin, oder?“ Sie starrte mich ungläubig an und murmelte: „Na das erklärt einiges!“.
Und dann begann sie zu erzählen. Die Veränderungen in und mit ihr, wie auch die Auswirkungen auf ihre Beziehung waren nahezu komplett identisch zu meinen. Auch wusste sie von einer Freundin zu berichten, die – im Gegensatz zu uns – mit einer Frau zusammenlebte, dass diese ebenfalls in die Symptomfalle der Wechseljahre geraten war. „Ursache“, sagte sie „sind wie du siehst, nicht unsere Männer, sondern wir selbst bzw. die Wechseljahre und ihre Auswirkungen“. Sie empfahl mir, mich mal intensiv mit den Symptomen und Folgen der Wechseljahre – insbesondere im Hinblick auf die Partnerschaft – zu beschäftigen. Und das tat ich.
Was tun, um auch in den Wechseljahren Lust auf Sex zu haben?
Ich vertiefte mich in Artikel, Ratgeber, Bücher und war erstaunt, wie weitreichend die Wechseljahre auf die Partnerschaft wirken können. Gleichzeitig war ich erleichtert, dass es Wege gab, die Paarbeziehung während der Wechseljahre zu verbessern. Als erstes suchte ich das Gespräch mit meinem Mann. Ließ ihn an meinen Erkenntnissen teilhaben und versuchte ihm zu erklären, dass in mir aufgrund der umfangreichen Hormonumstellung der Wechseljahre so vieles in Aufruhr und im Umbruch war, dass ich mich oft selbst nicht erkannte. Von körperlichen Beschwerden und Erschöpfung bis hin zu den auch seelischen Auswirkungen wie dieser ständigen Gereiztheit, den Gefühlsschwankungen und der Dünnhäutigkeit, ließ ich nichts aus.
Und auch, dass ich beim Sex Schmerzen aufgrund wechseljahresbedingter Scheidentrockenheit empfand, sagte ich ihm. Als guter Zuhörer, den ich in ihm
wusste, fragte er viel und so verstand er, dass Schlaflosigkeit, Hitzewallungen, innere Unruhe, Gewichtszunahme, Haarausfall und die starken Hormonschwankungen nicht nur dazu führten, dass ich mich in meiner Haut nicht mehr wohl fühlte, mich unattraktiv fand (und davon ausging, dass es ihm ebenso gehen müsse) und mich oft überfordert fühlte (das aber nicht zeigen wollte) usw., sondern auch tiefgreifende Auswirkungen auf uns als Paar hatten.
All das mit ihm zu besprechen, erleichterte mich und die Offenheit tat uns beiden gut. Gemeinsam überlegten wir dann, wie wir unserer Partnerschaft wieder „neues Leben“ einhauchen konnten.
Und das waren unsere Ideen für ein erfülltes Liebesleben in den Wechseljahren:
Austausch über sexuelle Vorlieben.
Für uns etwas ganz Neues, da es bis zum Beginn der Wechseljahre so gut passte. Und wir stellten fest: nicht nur bei mir hatten sich durch die Wechseljahre
veränderte Bedürfnisse entwickelt, um stimuliert zu werden, auch mein Mann wünschte sich ein paar Veränderungen.
Alles kann, nichts muss.
Wir haben den „Druck“ rausgenommen und genießen inzwischen auch einfach nur mal Kuschelzeit mit Zärtlichkeiten, die nicht zum Sex führen muss. Es gibt auch bei Männern Tage, an denen die Potenz – aus welchen Gründen auch immer – streikt. Umso schöner ist es dann zu wissen, dass auch Nähe so viel geben kann.
Dates verabreden.
Um unsere Liebe und Leidenschaft neu zu entfachen, haben wir uns tatsächlich zu Dates verabredet, zu denen wir sogar separat „angereist“ sind. Das war eine tolle Erfahrung und wirklich aufregend. Man sieht den Partner auf einmal mit neuem Blick und das Kribbeln im Bauch ist unbezahlbar!
Als Paar neue Wege probieren.
Wir haben nicht nur neue Wege (wie beispielsweise Rollenspiele) beim Sex versucht, sondern auch Veränderungen in unserem Lebensstil und deren Auswirkungen getestet. Öfter mal eine Typveränderung oder neue gemeinsame, aber auch einzelne Aktivitäten bewirkten z.B., dass wir uns irgendwie „lebendiger“ und wie bei einem „Neustart“ fühlten, was gleichzeitig auch mehr sexuelle Lust und Freude an Erotik mit sich brachte.
Gemeinsame Zeit nicht verschenken.
Wir haben überlegt, für welche (oft immer wiederkehrenden) Meinungsverschiedenheiten es eine gemeinsame Lösung gibt, welche unterschiedlichen Sichtweisen dagegen sich nicht zusammenbringen lassen und daher von uns gegenseitig akzeptiert werden sollten. Das hilft uns, uns nicht in aussichtslosen Diskussionen zu verlieren, die unsere Liebe unnötig strapazieren.
Ein Codewort vereinbaren.
Wenn ich Gefahr laufe, trotz aller guten Vorsätze, doch mal zum „Wechsel- Monster“ zu werden, nutzt mein Mann ein gemeinsam vereinbartes Codewort, das uns beiden die Möglichkeit gibt, den Kreis zu durchbrechen, sich zu sammeln, das Gespräch zu suchen oder uns einfach nur mal in die Arme zu nehmen.
Pflanzliche Arzneimittel können gegen sexuelle Unlust in den Wechseljahren helfen Um parallel meine körperlichen, als auch meine mentalen Beschwerden der Wechseljahre zu behandeln, ohne Hormone nehmen zu müssen, habe ich zusätzlich natürliche Hilfe bei Wechseljahresbeschwerden gesucht. Pflanzliche Arzneimittel gegen Wechseljahresbeschwerden wollte ich nutzen, um meine typischen physischen und psychischen Leiden der Wechseljahre sowie auch meine Scheidentrockenheit zu lindern. Nach einigem Probieren bin ich bei zwei Arzneimitteln eines Herstellers gelandet, die für die klassischen Wechseljahressymptome hochdosierte Extrakte aus der Traubensilberkerze plus Johanniskraut einsetzen und gegen die Scheidentrockenheit eine Feucht-
Creme anbieten, die neben pflegenden Lipiden (Fette) auf die Wirkweise von Hamameliswasser setzt.
Sex in den Wechseljahren kann Spaß machen!
Auch wenn ich gut hätte auf die Wechseljahre verzichten können, eines haben sie mir in Bezug auf meinen Mann und mich gezeigt: Eine Liebe ist es wert, gerade in vermeintlich schlechten Zeiten, den Veränderungen auf den Grund zu gehen. Und ich möchte allen Frauen Mut machen! Die Wechseljahre sind kein Zuckerschlecken, aber in meinem Fall haben sie dazu geführt, dass ich mich genauer mit mir und meinem Körper auseinandergesetzt habe, mich besser kenne als je zuvor und – entgegen all meiner Erwartungen – Linderung durch rein pflanzliche Arzneimittel erfahren habe.
Als Paar sind wir gestärkt aus der Zeit der Wechseljahre hervorgegangen, weil sie uns gezwungen hat, mehr und offener zu kommunizieren und wir so gemeinsam neue Wege gehen konnten, die uns, auch mit ein paar Jahren mehr auf der Uhr, noch viel Spaß mit – und aneinander genießen lassen können.
Und so feiern wir inzwischen auch ihn wieder in vollen Zügen – den Valentinstag!
