Warum so wütend? So bekommst du Stimmungsschwankungen in den Griff

Wenn Haartrockner durch die Luft fliegen gibt es mehrere Erklärungsmöglichkeiten: Entweder Frau ist etwas ungeschickt und lässt das Ding beim Föhnen fallen, oder sie leidet an wechseljahresbedingten Stimmungsschwankungen und wirft es einem nervigen Ziel entgegen – nennen wir es mal „Partner“. Für Sie getestet!

Wechseljahre. Wenn die schlummernde Bestie entfesselt wird …

Wut ist eine starke Emotion und niemand ist dagegen immun. Bis zu 70 Prozent der Frauen weltweit geben Reizbarkeit als ihre Hauptbeschwerde während der Wechseljahre an. Leider wird Wut meist negativ bewertet. Dabei dient sie in der Natur auch positiven Zwecken. Wut gibt uns nämlich die Stärke das zu schützen, was uns wichtig ist, so wie eine Löwenmutter ihr Junges schützt. Diese Wut einer Löwenmutter ist in uns allen angelegt, egal ob wir Kinder haben oder nicht.

Bis zur Lebensmitte ruht die Löwenmutter in uns meist friedlich und bricht nur manchmal durch. Mit den Wechseljahren ändert sich das oft schlagartig. Die innere Löwenmutter wird bei manchen von uns zur entfesselten Bestie, die sich über alles und jedes aufregt, ab und zu auch mal schreit oder sogar mit Haartrocknern oder Tellern wirft, wenn man sie reizt (aber wirklich nur extrem selten). Gesellschaftlich ist diese Wut bei Frauen nicht akzeptiert und geradezu verpönt. Ein wütender Mann gilt als stark, eine wütende Frau als hysterisch.

Die Verbindung zwischen Hormonen und Stimmungsschwankungen

Schuld an allem sind unsere Hormone. In der Perimenopause zwischen Ende 30 und Mitte 40 beginnt nicht der Tanz mit dem Wolf, sondern der Tanz der Hormone. Sinkt der Östrogenspiegel, sinken auch die Wohlfühltransmitter Serotonin und Dopamin sowie das natürliche Antidepressivum Progesteron. Gerät dieses Hormonsystem aus dem Gleichgewicht, können Symptome wie Reizbarkeit, Angst, Depression, Stimmungsschwankungen, ein vernebeltes Gehirn, verspannte Muskeln, Schlafstörungen und fliegende Haartrockner auftreten. Eine explosive Mischung.

Wut und Stimmungsschwankungen können die Partnerschaft gefährden

Aus vielen Frauenzeitschriften und Fernsehsendungen wissen wir inzwischen, dass es
gesund und richtig ist, seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen. Es kommt nur darauf an, wie ungefiltert wir das tun.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man dem Partner gegenüber unbedingt thematisieren sollte, was in den Wechseljahren in einem vorgeht. Dass man quasi ein ruhender Vulkan ist, unter dessen Oberfläche heiße Lava brodelt. In guten Zeiten blubbert sie unterirdisch ein bisschen vor sich hin und niemand weiß, wann der Vulkan ausbrechen könnte – am wenigsten man selbst. Und dann passiert es auf einmal, von jetzt auf gleich: Heißer Dampf steigt auf, das leise Blubbern wird zu Kochen und ehe man weiß, wie einem geschieht, bahnt sich die Lava ihren Weg, schießt heraus und überflutet unkontrolliert alles und jeden der gerade anwesend ist.

Besonders Männer können mit dieser unkontrollierten Wut als Begleiterscheinung der Wechseljahre oft überhaupt nicht umgehen und sind sich nicht sicher, wie sie reagieren sollen. Das führt dann oft zu einer Spirale aus Streit und Schuldgefühlen und Scham bei uns Frauen und Hilflosigkeit und Rückzug bei den Partnern.

Wie mein Mann und ich damit umgehen? Wenn mein Vulkan mal wieder ausbricht, dann nutzen wir ein Safeword. Ja, genau so eines wie in Fifty Shades of Grey, nur eben zu anderen Zwecken. Das Safeword sollte möglichst verrückt sein, denn das nimmt den Ernst aus der angespannten Situation. Wenn ich also mal wieder ausflippe, dann sagt mein Mann unser Safeword: „POTZBLITZ! So viele echte und starke Gefühle!“ Und ganz ehrlich: Wer kann dann noch ernst bleiben? Und dann stehen wir da und kichern und wechseln das Thema und ich hänge den Haartrockner wieder an den Haken. Vorerst. Bis zum nächsten Mal.

Valérie

Valérie

Valerie Müller ist Ü-40 Bloggerin, PR-Beraterin, begeisterte späte Mutter und die Herausgeberin und Autorin von Life40up!
life40up.de

1 Kommentar zu: »Warum so wütend? So bekommst du Stimmungsschwankungen in den Griff«

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