Frau schaut glücklich in den Himmel.

Die Mauersegler sind zurück – was wir von ihnen lernen können

Ich bin ein Sommerkind. Bereits im Februar, wenn die ersten Schneeglöckchen uns den Frühling ankündigen, kann ich es kaum erwarten, bis es endlich wärmer wird. Und dann kommt der eine Moment, der mir zeigt, dass der Sommer nicht mehr aufzuhalten ist: Die Mauersegler sind zurück! Aber sie halten mir auch jedes Jahr aufs Neue vor Augen, wie schnell diese hellen, warmen Tage vorbei sind und dass wir den Sommer in vollen Zügen genießen sollten.

Ich sitze in meinem Büro und brüte über einem neuen Artikel für meinen Blog. Für Anfang Mai ist es schon ungewöhnlich warm. Ich habe mich komplett falsch angezogen. Gestern war es schließlich noch ziemlich frisch. Mir ist warm, und es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren. Vielleicht sollte ich eine Pause machen und mir noch einen Kaffee gönnen. Plötzlich höre ich von draußen ein Geräusch, das mich regelrecht elektrisiert und schlagartig meine Lebensgeister weckt, die es sich bis zu diesem Moment tief in meinem Innern bequem gemacht hatten.

Sie sind da!

„Sie sind da!“, denke ich voller Begeisterung. Es ist jedes Jahr wieder ein bezaubernder Moment. Eigentlich weiß ich ja, dass er kommen wird. Schließlich warte ich schon seit Tagen darauf. Aber wenn er dann endlich da ist, bin ich doch immer wieder gerührt und freue mich wie ein kleines Kind vor Weihnachten. Oft ist es einer der ersten wärmeren Abende, und ich sitze nach dem Abendessen noch auf unserem Balkon, um das ungewöhnlich warme Wetter und die frühsommerliche Stimmung zu genießen, die sich wie ein sanfter Schleier über die Stadt gelegt hat. Und dann höre ich sie, die schrillen Schreie der Mauersegler.

Tollkühne Flugmanöver

Sie fliegen in atemberaubender Geschwindigkeit durch unseren Hinterhof und stoßen dabei ihre charakteristischen spitzen Schreie aus. Es klingt so, als würden sie ungehemmt ihre Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass der Sommer nun endlich da ist und dass sie nun wieder in tollkühnen Flugmanövern voller Genuss an den Hausmauern vorbei lavieren können. Ich folge ihrem Flug, und die Freude der Mauersegler überträgt sich auf mich und zaubert mir ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.

Die Mauersegler verbringen den Winter im Süden von Afrika. Ungefähr die Hälfte des Jahres sind die Vögel, die häufig mit den Schwalben verwechselt werden, zwischen ihren Brutstätten im Norden und ihrem Winterquartier im Süden unterwegs. Sie verbringen, wenn sie nicht gerade brüten oder ihren Nachwuchs groß ziehen, fast ihr ganzes Leben in der Luft. Bei uns kommen die ersten bereits Mitte April an. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine Vorhut. Die meisten Mauersegler erreichen Deutschland dann Anfang Mai.

Der eigentliche Sommerbeginn

Die Ankunft der Mauersegler in unserem Hinterhof ist für mich jedes Jahr der eigentliche Sommerbeginn, auch wenn der Mai noch nicht zum Sommer zählt. Aber meistens ist es schon sommerlich warm, wenn diese liebenswerten Tiere bei uns ankommen, und die Tage sind hell und lang. Und auch wenn so mancher Maitag noch empfindlich kühl ist, zeigt mir die Ankunft der kleinen Flugkünstler jedes Jahr aufs Neue, dass der Sommer jetzt nicht mehr aufzuhalten ist.

Es ist einfach unglaublich schön, einen Sommerabend auf dem Balkon zu verbringen und dabei den waghalsigen Flugkünsten der Mauersegler zu folgen. Ihre Schreie wirken wie übermütiges, fröhliches Kindergeschrei und heben jedes Mal meine Stimmung. Und auch wenn ich dieses Spektakel schon unzählige Male beobachtet habe, wird es mir nie langweilig, ihrem waghalsigen Flug zu folgen. Manchmal fliegen sie so dicht an unserem Balkon vorbei, dass ich kurz meine, mich ducken zu müssen. Fast könnte man meinen, sie geben für mich eine Extravorstellung.

Ein früher Abschied

So sehr ich mich jedes Jahr über die Ankunft der Mauersegler freue, so sehr bin ich auch jedes Jahr traurig und auch etwas wehmütig, wenn sie plötzlich wieder weg sind. Meistens sitze ich wieder auf meinem Balkon (schließlich ist es ja noch Sommer und recht warm), und plötzlich fällt mir auf, dass etwas fehlt. Ich höre – nichts. Hektisch suche ich den Himmel ab, aber er ist leer. Zumindest ist weit und breit kein einziger Mauersegler zu sehen. Nur eine einsame Amsel fliegt gemächlich durch unseren Hinterhof, also ob sie es genießen würde, diesen wieder für sich alleine zu haben.

Bereits im August machen sich die Mauersegler wieder auf dem Weg in ihr Winterquartier. In den Sommermonaten kann man häufig beobachten, wie die Jungvögel in kleinen Gruppen „Flugunterricht“ erhalten. Dann weiß ich, dass der Abschied bald bevorsteht. Ende August sind dann alle Mauersegler wieder weg und fliegen ungefähr drei Monate lang, um ihr Winterquartier im Süden Afrikas zu erreichen.

Der Rückzug des Sommers

Wenn uns die Mauersegler verlassen, ist der Sommer bei uns noch nicht zu Ende. Oft ist in Deutschland gerade der August noch richtig sommerlich heiß, und auch der September hält meistens noch den einen oder anderen sommerlichen Tag für uns bereit. Aber irgendwann vor ein paar Jahren ist mir schlagartig bewusst geworden, dass mit dem Abschied der Mauersegler auch der Sommer langsam seinen Rückzug antritt. Nicht nur die Tage werden kürzer, auch die Nächte sind nun häufig wieder kühler, und auf den Feldern wird die Ernte eingebracht. Und so mancher Tag im September oder auch bereits im August kommt schon recht herbstlich daher.

Aber, um es positiv zu formulieren: Der Sommer bleibt noch ein paar Wochen, wenn sich die Mauersegler von uns verabschieden. Vielleicht sollten wir diesen Abschied als einen liebevollen Hinweis verstehen. Als Hinweis darauf, dass der Sommer nicht ewig dauert. Dass der größte Teil der hellen und warmen Tage nun vorbei ist und dass wir jetzt jeden einzelnen dieser wunderbaren Tage genießen sollten.

Den Sommer genießen

Ich habe auf jeden Fall gelernt, den Abschied der Mauersegler als eine Art Botschaft zu verstehen und versuche, jeden einzelnen Sommertag, der uns dann noch geschenkt wird, in vollen Zügen zu genießen. Ich verbringe möglichst viel Zeit im Freien und in der Natur. Ich gehe spazieren, verabrede mich mit einer Freundin im Park oder mache mit meinem Sohn lange Radtouren. Ich sauge die Wärme, die Sonnenstrahlen und das Licht regelrecht in mich auf. Und das gibt mir das gute Gefühl, dass ich mich damit auf den Winter, die Kälte und die Dunkelheit vorbereiten kann und so besser durch die kalte Jahreszeit komme.

Aber jetzt genieße ich erst einmal die Flugkünste der Mauersegler. Es ist ein bisschen wie im Freilichttheater. Der Sommer kann jetzt auf jeden Fall kommen – ich bin bereit.

Ihre Eva Ehehalt

Eva Ehehalt

Eva Ehehalt

Eva ist Ernährungsberaterin, Autorin und Bloggerin. Auf Ihrer Seite findet Ihr viele tolle Tipps und Rezepte: www.leckervital.com

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