Mama zieht um!

Meine Mutter ist Jahrgang 38, mit 15 ging sie aus dem Haus. Ging arbeiten. Dann lernte sie meinen Vater kennen und mit 22 Jahren heirateten beide. Sie wohnten die ersten fünf Jahre im Haus meiner Großeltern, bauten gleichzeitig aber ihr eigenes Zuhause. Neben der Arbeit und allen anderen Pflichten, denn mittlerweile waren meine Schwester und ich geboren, ging es jederzeit auf die Baustelle. Sie haben vier Jahre gebaut!

Im neuen Zuhause wurde mein Bruder geboren, der Betrieb meines Vaters blühte auf, im Garten bauten sie eine Partyhütte, die ersten Umbauten folgten. Die „Großen“ verließen das Zuhause, sieben Jahre später auch der „Jüngste“. Mein Vater ging in Rente, vier Jahre später meine Mutter.

Dann wurde mein Vater krank und nach fünf Jahren haben wir ihn beerdigt. (Er starb in unserem Wohnzimmer mit Blick auf seine geliebten Vögel.)

Mutter legte eine Sandkiste an, da jetzt die Enkelkinder kamen. Zwei. Ein gelebtes, ein belebtes Haus. Meine Mutter hat 56 Jahre in diesem Haus verbracht und nun verlässt sie es. Zieht ins betreute Wohnen. Es war ihre Idee und ihr Wunsch. Sie hat uns drei Kinder damit vollkommen überrascht. Wie mutig!

Ich sitze jetzt oft bei mir zu Hause und denke an meine Mama. Was muss in ihr vorgehen? Wie kann sie so leicht alles hinter sich lassen? Hängt sie gar nicht an den vergangenen Jahren?

Seniorin sitzt entspannt im Wintergarten, im Hintergrund der Garten

Ich habe sie danach gefragt und war erstaunt über ihre Antwort: „Antonia, das ist doch spannend, etwas Neues zu entdecken. Das Alte war schön, aber jetzt freue ich mich total auf meine neue Wohnung, auf die neuen Nachbarn, auf das, was mir das Leben noch schenken wird.“ Mann, ist diese Frau weise. Ich bewundere sie dafür. Ich bewundere sie für diesen Schritt und ich bin dankbar. Sie entlässt uns Kinder aus der Verantwortung.

Mama wird jetzt 78 und ist noch relativ fit, aber sie möchte uns Kindern nicht zur Last fallen: „Wenn ich mal nicht mehr kann, wie wollt ihr mich pflegen? Ihr habt eure Berufe, Familien, wohnt 200 km entfernt.“

Letztens habe ich eine Werbung gesehen:
– ALTER? Ich nenne es Leben für Fortgeschrittene! –
Für mich lebt meine Mutter dieses Motto und ich hoffe, dass ich das später auch von mir sagen kann. Im Moment freue ich mich jedenfalls, dass ich mich jetzt schon auf den Weg gemacht habe (trotz aller Wehwehchen der Wechseljahre) und den Weg meiner Mama akzeptiere. Ich schaue nicht mehr nach hinten, sondern freue mich jetzt auf den ersten Besuch in ihrem neuen Zuhause.

Gespannte, neugierige Grüße
Eure
Antonia

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