Mutprobe

Wann haben Sie Ihre letzte Mutprobe gewagt und bestanden? Als ich zehn Jahre war, bin ich mit Nachbarn zum Schwimmen ins Freibad gefahren. Birte, etwa zwei Jahre älter als ich, sprang vom Drei-Meter-Brett und forderte mich auf, es ihr gleich zu tun. Also kletterte ich die Leiter rauf und ging ans Ende des Brettes. Ich schaute nach unten, überlegte, schaute nochmal und ging die Leiter wieder runter. Das war meine letzte Mutprobe. Leider nicht sehr erfolgreich.

Springen? Oder besser nicht?
Springen? Oder besser nicht?

Warum schreibe ich von diesem peinlichen Erlebnis? Mein letztes Buch hieß „MUTPROBE. Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden“ von Bascha Mika. Ich hatte Bascha Mika in einer Talkshow gesehen und der Titel machte mich neugierig. Doch leider ist es so, dass der Inhalt nicht das erfüllt, was der Titel verspricht.

In zehn Kapiteln versucht Frau Mika uns Frauen zu sagen, was wir für Probleme haben.  Und meistens geht es um die Konkurrenz zu den Männern. Natürlich sprechen wir von der Frau um die fünfzig.

Als ich mit dem ersten Kapitel anfing, dachte ich noch – ok, das ist zur Einführung. Leider nein! Fast alle Kapitel sind in dem Stil geschrieben, dass wir Frauen um die fünfzig von der Gesellschaft – egal ob Film, Theater, Literatur oder sonst etwas und natürlich hauptsächlich von den Männern – nur benachteiligt werden.

Zwei Kapitel, „Werte und Wirtschaft“ und „Wirren und Wandel“, fielen raus. Im ersten schreibt sie über die fehlende Absicherung im Alter von uns Frauen und im zweiten Kapitel geht es um die Wechseljahre. Über die Wechseljahre habe ich nichts Neues erfahren, aber die Absicherung im Alter war schon spannend. Wir Frauen sollten mehr rückwärts denken. Wo wollen wir im Alter stehen und was muss ich heute tun, damit ich dann dort stehe. Das schieben wir Frauen oft weg, wir denken selten an unsere Rente. Und wie sagt meine Mutter so schön: Antonia, das Alter ist teuer. Recht hat sie!

Im Großen und Ganzen habe ich mich durch die einzelnen Kapitel wirklich durchgekämpft und dann noch sehr wenig Interessantes erfahren. Schade! Aber ich habe mir Gedanken über den Titel gemacht, da ich ja nun etwas schreiben wollte. Das war für mich spannend. Ich glaube nämlich, dass nicht nur das Alter eine Mutprobe darstellt, sondern unser ganzes Leben unseren Mut, unsere Neugier  und unsere Liebe erfordert.

Im Studium in Göttingen sah ich ein wunderbares Graffiti: „Liebe wird aus Mut gemacht, leider bin ich eher feige!“

Das ist jetzt dreißig Jahre her und ich habe es immer noch im Kopf. Ich möchte meinen Mut nicht verlieren, auch wenn es in den Wechseljahren oft nicht leicht ist, aber es lohnt sich.

Und im Sommer werde ich mit meiner Nichte schwimmen gehen und vom Drei-Meter-Brett springen. Versprochen!

Bleiben Sie mutig!

Ihre
Antonia☺

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