Warum bin ich bloß in den Keller gegangen?

Ich bin mir fast sicher, und deshalb beschleicht mich in manchen Momenten die Panik: Demenz!
Jetzt bin ich dran. Ich stehe im Keller ohne Ahnung, warum ich die Treppenstufen nach unten auf mich genommen habe. Mühsam rekonstruiere ich die Schritte davor. Auspacken der Einkäufe. Milch, Joghurt, Tofu in den Kühlschrank. Für gleich das Nudelpaket und den Parmesan zur Seite gelegt. Ich hab’s. Das Olivenöl war leer. Deshalb war ich in den Keller gegangen.

Neulich Abend mit Kerstin ein gemütlicher Austausch bei einem Glas Rotwein. Ich mag es sehr, über Bücher, Kino und Musik hin und her zu reden. Eine wunderbar inspirierende Alternative zu den Dauerthemen Männer, Kinder und Job. Aber der Abend war anders als sonst, ich bin andauernd in Kopf-Fallgruben gestolpert. Das war mir richtig peinlich. Genau konnte ich noch der Freude nachspüren, die ich beim Lesen des letzten Buches empfunden hatte. Meine Familie hatte mehrfach mein Kichern kommentiert. Das war doch ein ganz reißerischer Titel. Auch der Autor war aus meinem Gedächtnis verschwunden. Ich bin in Gedanken die Episoden des Buches durchflogen. „Verteidigung der Missionarsstellung“ – natürlich! Den armen Wolf Haas musste ich im I-Pad suchen gehen. Auch Birdys aktuelles Album wollte mir nicht in den Sinn kommen, obwohl mir die Melodien derzeit nicht aus dem Kopf gehen.

Ich stümpere mir beim Erzählen von Dingen aus der jüngeren Vergangenheit im Moment ganz schön einen zusammen. Auch Termine fliegen einfach mal so davon. Das fühlt sich nicht gut an. Die handgeschriebene Liste ist meine stille und ständige Begleiterin. Enttäuschung, weil ich die Ansprüche an mich selbst nicht erfülle. Frust, weil die Kurve bergab führt. Bei Falten, die ich im Spiegel entdecke, bin ich gelassener. Ich teile mein Leid gern mit anderen und habe jetzt festgestellt, dass ich mit meinen Vergesslichkeitssorgen gar nicht so allein bin, wie ich dachte. Diese verdammten Wechseljahre scheinen auch hier ihre Finger im Spiel zu haben. Was ich gar nicht gewusst habe ist, dass mehr als die Hälfte aller Frauen diese Erfahrungen während der Wechseljahre machen.

In einer Studie der Uni Los Angeles ist das eingehend untersucht worden. Getestet wurden Frauen zwischen 42 und 52 Jahren. Und je unregelmäßiger die Menstruationsblutungen waren, desto häufiger traten beim Lernen Probleme auf. Und zwar nicht nur in Bezug auf die Merkfähigkeit, sondern auch auf das Tempo, in dem Informationen verarbeitet werden. Direkt vor dem endgültigen Ausbleiben der Regel, heißt es in der Studie weiter, funktioniert das Gedächtnis am schlechtesten.

Hilfe, dann wird es ja wohl noch schlimmer. Wie irrsinnig ist das denn, so direkt zu spüren, dass die Hormone meine Gehirnleistung kurz mal runter fahren? Die gute Nachricht, dass es nach der Menopause wieder bergauf geht, ist zwar beruhigend – laut Studie sind Frauen nach ihrem Klimakterium wieder genau so leistungsfähig wie zuvor – aber nützt mir jetzt nichts. Ich muss ehrlich zugeben, dass mein Selbstbewusstsein im Moment ganz schön angeknackst ist. Ich versuche das mit Humor zu überspielen. Soll ich mit Denksportaufgaben trainieren? Mein Leben mit gelben Memozetteln pflastern? Einfach abwarten, bis es besser wird? Ich bin ein wenig ratlos.

Liebe Grüße
von Lisa

3 Kommentare zu: »Warum bin ich bloß in den Keller gegangen?«

  1. Ha! Noch ein netter Eintrag! Mein Mann ist Neurologe und sagt : bloß kein Gehirn-Training. Stress tötet die Neuronen. Also schön nett zu Ihnen sein weil sie für alles verantwortlich sind. Am besten künstlerische Tätigkeiten, Tanzen, fremde Sprachen lernen etc. Hauptsache ES BRINGT EINEM FREUDE. Wenn man etwas vergisst dann ist es halt so. Kein Weltuntergang. Demenz kommt wenn man alles vergisst und dabei das GAR NICHT MERKT. Also : solange man sich Sorgen über die …. die…. wie heisst die noch mal? Wer kann mir helfen? Ich wusste es doch gerade noch….ach ja! : Vergesslichkeit macht ist alles bestens!
    Ich habe noch Plätze frei im …… na, wie sagt man?…..ehm…ach ja, Klavierunterricht! Hi,hi,hi

    1. Hallo bei mir war’s am Anfang ganz ganz schlimm konnte nicht mehr denken nichts mehr machen bin zu Ärzten gelaufen Demenz Test gemacht Vitamine genommen Tabletten genommen alles fürs Hirn ich vergesse von gestern auf heute Sachen ganz schlimm und keiner kann helfen Psychiater gewesen Neurologen gewesen weiß nicht was ich noch machen soll ich werde verrückt mein Kopf Ich kann auch keine Diskussion führen weil die wird er mir nicht im Kopf reingehen weil ich alles vergesse

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