Toleranz

Liebe Wechselweiber,
wie steht es eigentlich um unsere Toleranz?

Meine NIA-Lehrerin Ann hat mal gesagt: „Versucht mal die herumliegenden Klamotten eures Partner oder eurer Kinder als etwas ganz anderes zu betrachten! Macht euch einen Spaß daraus, anstatt euch zu ärgern!“ Häääh???

Mess
Hach, wäre das schön, wenn das Chaos der Lieben nicht Ärger, sondern „Heitere Gelassenheit“ auslösen würde…

Gesagt, getan! Also betrachtete ich das weiße T-Shirt meines Kerls, das wohlgemerkt ne Woche zusammengeknüllt im Bad lag, als ein hübsches Gebirge, mit all seinen Kratern und traumhaft verschneiten Abfahrten… Germknödel mit Vanillesoße, hm… ich geriet tatsächlich ins Träumen und fand die Idee spitze! Und: Ich ließ das Shirt liegen!! Das fand aber nur das eine Mal statt, danach war ich wie immer genervt, wenn alles rum lag. Nun gut, es war ne spannende Übung, die mich gelehrt hat, die Dinge mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Wie tolerant sind oder werden wir eigentlich mit der Reife unserer Jahre? Die einen haben es sich gemütlich in ihrem Leben eingerichtet. Alles läuft nach Plan, bitte keine Veränderungen. Nur irgendwie fehlt noch das ein oder andere zum Glück. Da sehnt sich manch eine(r) nach dem „passenden“ Lebenspartner. Zack! Da geht’s schon los. Wie bereit bin ich eigentlich, ein fremdes Geschöpf zu nehmen wie es ist? In mein Leben hinein zu lassen mit all dem Neuen, Ungewohnten, Eigenwilligen?

Je länger wir in unserem Gehäuse alleine durchs Leben ziehen, desto empfindlicher reagieren die einen auf Veränderungen, die logischerweise mit intolerantem Verhalten einher gehen können. Klar, erst tobt sich die rosarote Brille aus, alles ist irgendwie neu und süß… dann hängt schon das ein oder andere in der Luft, naja,… den Rest kennen wir. Aber wie ist es machbar, auch Besonderheiten als etwas Liebenswürdiges zu tolerieren? In gewisser Weise können wir doch unseren Horizont erweitern.

Das Großartige am Älterwerden ist doch der innere Reifeprozess. Oder wie ein alter Freund von mir zu sagen pflegte: „Heitere Gelassenheit!! Ein Geschenk des Alters.“ Das hat mich tief beeindruckt!! Seither versuche ich genau das umzusetzen. Ganz schön schwierig!!!

Ich empfinde es auch als Geschenk vom „lieben Gott“ mit  Reflexionsvermögen ausgestattet zu sein. Damit wir überhaupt wahrnehmen können, wann und wo wir richtig oder daneben liegen. Dass wir uns auch entschuldigen können, wenn wir zum Beispiel jemanden verletzt haben. Verantwortung für uns und unser Tun zu übernehmen. Emphatisch zu sein mit unserer Außenwelt, mit der wir in einem Boot sitzen. Ich habe den Eindruck, dass dieses „Selbst-bewusst-sein“ uns zu toleranteren und liebenswürdigeren Geschöpfen machen kann.

Liebe Grüße von Beate

1 Kommentar zu: »Toleranz«

  1. Bei einer Fortbildung erzählte ich von meiner Tochter, die ihre klamotten nach dem „Hänsel und Gretel-Syndrom“ im Haus verteilt. Sie hatte eine passende Geschichte aus ihrer Familie parat, und erklärte mir dass es leiseschleicher und spurenleger gibt. Die Leiseschleicher gehen unauffällig durch das Haus, leise, und hinterlassen keine Spuren. Die Spurenleger sind genau das gegenteil. Jeder soll doch genau wissen in welchem raum sie sich zur Zeit befinden. Und dass sie am Tag die und die Sachen gegessen und das getrunken haben.
    Ich musste lachen. ja , dann wusste ich zu welcher Gattung meine Tochter gehörte. Aber seit dem nenne ich sie liebevoll „mein spurenleger“ und kann mich nicht wirklich mehr aufregen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.