Jeder von uns kennt Situationen in denen wir „Ja“ sagen, obwohl wir eigentlich „Nein“ sagen möchten. Die Gründe dafür sind vielfältig, eines aber ist immer gleich: In dem Moment wo wir „Ja“ sagen ohne es eigentlich zu wollen, entscheiden wir uns gegen uns selbst und stellen die Bedürfnisse anderer vor unsere eigenen. Eigentlich ja ein netter Zug, der aber oft genug zu Stress führt oder Kraft kostet, die wir häufig an anderer Stelle benötigen.
Mehr Achtsamkeit mit sich selbst schafft Abgrenzung zu anderen
In jedem einzelnen Fall sollte man sich immer wieder die Frage stellen: Warum sage ich „Ja“, was macht das mit mir, warum will ich vielleicht lieber „Nein“ sagen, was stresst mich am „Ja“ usw. Einer der wichtigsten Gedanken dabei ist: Man muss es nicht immer anderen recht machen, sondern vor allem sich selbst, um sich zu schützen. Das gelingt aber nur, wenn man sich selbst einen mindestens so hohen Wert wie dem Gegenüber zugesteht. Denn klar ist: Wer sich selbst immer hintenanstellt und sich nicht abzugrenzen vermag, tut sich auf Dauer nichts Gutes.
Eigene Bedürfnisse zu achten heißt „Nein“ sagen zu können
Der Grundstein für Veränderung bildet folgende Erkenntnis: Ein „Nein“ zu jemand anderem ist ein „Ja“ zu mir selbst und weder egoistisch noch schlecht. Unter den Aspekten „Achtsamkeit und Selbstliebe“ gilt es, eigene Prioritäten zu setzen und sich ganz klar die Frage zu stellen, was man selbst vernachlässigen müsste, wenn man einem Gegenüber zusagt. Und das gilt nicht nur im Job, sondern auch im privaten Miteinander: Übernimmt man die Aufgabe des Partners, der einen bittet, statt seiner das Kind zum Fußballspiel zu begleiten, zerstört das den einzigen freien Nachmittag dieser Woche?
Springt man für die Kollegin in der Spätschicht ein, muss dann das schon überfällige Treffen mit der Schwester abgesagt werden? Wer sich solche oder ähnliche Fragen stellt, kann nicht nur im Einzelfall entscheiden, was für ihn selbst wichtiger ist, sondern lernt verantwortungsbewusst und mit Respekt gegenüber den eigenen Vorstellungen Prioritäten zu setzen und bekommt einen deutlich besseren Zugang zu seinen inneren Bedürfnissen.
Wer „Nein“ sagen kann schützt die eigene Gesundheit und gewinnt Lebensqualität
Das nicht gewollte „Ja“ sagen bedeutet Stress und kann sogar zu körperlichen Problemen führen. Wenn man z.B. Schlafstörungen entwickelt, Atembeklemmungen oder Herzrasen bekommt, können das die ersten Anzeichen für chronischen Stress sein. Und weil dieser eine Reihe ernsthafter Erkrankungen nach sich ziehen kann, ist es spätestens bei den ersten beschriebenen Symptomen höchste Zeit, das eigene Verhalten zu verändern. Denn es ist deutlich besser und leichter, bereits frühzeitig die eigenen Wünsche in den Vordergrund zu stellen und schon bevor der Stress zu groß wird, häufiger bei kleinen Gefälligkeiten oder Aufgaben im Alltag das Nein sagen zu trainieren und etablieren, als zu warten, bis gar nichts mehr geht und man unter dem dauerhaftem Stress zerbricht, kurz vor einem Burnout steht oder insgesamt psychisch und körperlich nicht mehr kann.
„Nein“ sagen lernen lohnt sich, versprochen! Und das nicht nur der Gesundheit zuliebe, sondern weil es auch das Selbstwertgefühl sowie die Achtsamkeit mit sich selbst erhöht und sogar glücklich macht, wenn wir uns so gut kennen, dass wir an den richtigen Stellen wieder wir selbst und authentisch bleiben können.
Warum „Nein sagen“ in den Wechseljahren besonders wichtig werden kann
