Auf jeden Fall ist das ein Thema, mit dem man sich nicht nur in Personalabteilungen von Unternehmen beschäftigen sollte. Denn schließlich bieten Beschäftigte in den Wechseljahren wertvolles Fachwissen und viel Erfahrung, auf die die wenigsten Unternehmen es sich leisten können zu verzichten.
Soweit kann es allerdings kommen, denn die Wechseljahre machen Frauen zu schaffen und führen dazu, dass ihre Leistungen abfallen, höhere Fehlzeiten entstehen können und letztlich ihr Ausstieg aus der Firma oder komplett aus dem Arbeitsleben droht.
Während Rückengesundheit oder Burnout im betrieblichen Gesundheitsmanagement bereits völlig normal sind, gelten die Wechseljahre noch immer als privates Thema. Weil es das aber bei über 9 Millionen Betroffenen nicht ist: Höchste Zeit die Wechseljahre im betrieblichen Gesundheitsmanagement zu verankern und Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Frauen ermöglichen, trotz der Beschwerden des Klimakteriums weiter erfolgreich tätig zu sein.
Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Wechseljahre im Medizinstudium bisher kaum behandelt werden und Betriebsärztinnen und -ärzte darum entsprechend zusätzlich geschult werden sollten.
Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wie es geht: Wechseljahre & Beruf
Das Parlament Großbritanniens hat das Thema Wechseljahres-Auswirkungen sowie daraus resultierende Erfordernisse im Arbeitsumfeld untersuchen lassen und bereits umgesetzt. So gehört die Beratung zum Thema Wechseljahre inzwischen zum routinemäßigen Gesundheitscheck des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS.
Und das ist noch nicht alles. Über 7800 Organisationen unterschiedlichster Größe haben sich der „Menopause Workplace Pledge” angeschlossen. Das ist eine freiwillige Selbstverpflichtung für Arbeitgeber, die von einer britischen Gesundheitsorganisation mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das Frauen während der Wechseljahre (Perimenopause und Menopause) versteht, unterstützt und entstigmatisiert. Und das bedeutet im Grundsatz:
- Anerkennung der Wechseljahre als ernstzunehmendes Gesundheitsthema am Arbeitsplatz.
- Förderung einer offenen, respektvollen und tabufreien Unternehmenskultur.
- Unterstützung betroffener Mitarbeiterinnen in Form von praktischer Hilfe sowie der Bereitstellung von Ressourcen, um mit ihren Symptomen umgehen zu können.
Berufstätige Frauen im Klimakterium zu unterstützen ist leichter als Betriebe denken
In einer Vielzahl von Unternehmen gibt es bislang keine Strukturen, die speziell das Thema Frauengesundheit unterstützen. Da muss auch sicher nicht gleich das „große Rad“ gedreht werden, vielmehr geht es erst einmal darum, für das Thema zu sensibilisieren und zu informieren. Das ist ein recht einfacher, aber wichtiger Schritt, damit Verantwortliche in Betrieben überhaupt einen offenen Umgang mit dem Thema anbieten können. Ein Sichtbarmachen des Themas verbunden mit Gesprächsangeboten, um gemeinsam Lösungen zu finden sowie ein sensibler Umgang signalisiert Wertschätzung und schafft Vertrauen, was auch die Bindung und das Wohlbefinden betroffener Mitarbeiterinnen stärkt.
Flexibilität im Arbeitsalltag während der Wechseljahre
Eine der wichtigsten Voraussetzungen wäre tatsächlich auch in Deutschland eine Enttabuisierung des Themas Wechseljahre. Denn erst dann ist es Frauen möglich, ohne Scham oder der Sorge vor Konsequenzen, über mögliche Veränderungen mit Vorgesetzten oder der Personalabteilung zu sprechen.
Hierbei kann individuell besprochen werden, wie z.B. Arbeitszeiten und -abläufe an die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden können oder ob gleitende Arbeitszeitmodelle in Frage kommen. Auch eine bedarfsgerechte Aufgabenplanung und eine bewusste Pausengestaltung können bei Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und Schlafstörungen für betroffene Frauen eine große Erleichterung sein und helfen oft auch, die eigene Leistungsfähigkeit erheblich zu verbessern.
Für Mitarbeiterinnen im Verkauf, in der Produktion, im Außendienst sowie für Busfahrerinnen oder auch Polizistinnen kann es dagegen von entscheidender Bedeutung sein, dass ein unkomplizierter Zugang zu Sanitäranlagen gewährleistet ist.
Mögliche Maßnahmen um Arbeitsbedingungen für Frauen in den Wechseljahren zu verbessern
- Anpassung der Raumtemperatur bzw. Bereitstellung von Ventilatoren am Arbeitsplatz
- Flexible Anpassung der Arbeitszeiten wie z.B. Arbeitszeitbeginn, Einteilung von Schichten usw.
- Schaffung von Homeoffice-Optionen für Tage mit starken Beschwerden (z. B. durch Schlafstörungen oder Erschöpfung)
