Kollegiales Coaching: Cocktailrunde mit Mehrwert / Teil 1

Seit Heike vor zwei Jahren eine Gruppe für kollegiales Coaching mit zusammengestellt hat, läuft’s im Job richtig rund. Kostet nichts (außer Zeit), bringt viel (auch neue Aufträge), und passt zu fast allen Berufsgruppen. Eine Anleitung zum Selberbasteln.

Das Leben ist oft sehr prosaisch. Die besten Ideen für Texte habe ich meistens beim Putzen, die inspirierendsten Begegnungen im Einkaufszentrum. So auch an jenem Tag im Spätsommer vor über zwei Jahren, als ich mit meinen vollgepackten Tüten einer Kollegin begegnete, die ebenfalls schwer zu schleppen hatte. Wir stellten unsere Tüten ab, kamen ins Gespräch und fingen natürlich sofort an zu jammern. Das, was fast alle Kollegen aus der Medienbranche seit Jahren tun. Auch die, die gut im Geschäft sind. Medienkrise, Schrumpfredaktionen, miese Honorare. Was tun? Umschulen wollten wir nicht, auswandern genau so wenig (und wohin auch?), reich heiraten fiel aus (verheiratet sind wir schon, nicht reich, aber glücklich). Coaching, das wär’s. Kostet aber eine Stange Geld, wenn man keinen Arbeitgeber hat, der das bezahlt. Aber, Moment mal – konnten wir das nicht auch selbst bewerkstelligen? Einfach eine Gruppe von Gleichgesinnten zusammentrommeln und uns gegenseitig auf die Sprünge helfen? Schließlich ist es manchmal einfacher, Weitblick für ein anderes Leben zu entwickeln, als unsere eigene Situation reflektieren. Und auch wenn wir keine Beratungs-Profis sind, denken können wir selber.

Eine bunte Truppe, die sich gegenseitig unterstützt

Kurz danach trafen wir uns zum ersten Mal: acht freie Journalistinnen zwischen Mitte 30 und Mitte 50, mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten, unterschiedlichen Lebenssituationen, unterschiedlichen Zielen, aber einer Gemeinsamkeit: Liebe zu unserem Job und dem Willen, neue Wege zu beschreiten. Aus diesem Einmal-Meeting ist mittlerweile eine regelmäßige Veranstaltung geworden: Etwa zwei Mal im Jahr treffen wir uns für ein kollegiales Coaching, überprüfen alte Zielsetzungen, korrigieren den Kurs, entwickeln gemeinsame Ideen. Zum Glück haben wir eine Kollegin in unserer Runde, die als Psychologin eine Coaching-Ausbildung hat – ihre Rolle ist jedoch eher die einer zurückhaltenden Moderatorin, die zu Anfang eines Coaching-Tages eine Aufgabe stellt, die uns hilft, uns klarer zu werden. Zum Beispiel so: Denkt darüber nach, was eure größten Erfolge mit 15, mit 20, mit 25 und mit 30 waren – gibt es da ein Muster in dem, was euch besonders stolz macht? Oder: zeichnet eine Zufriedenheitskurve über die letzten zwei Jahre, und findet dann in großer Runde gemeinsam heraus, wie ihr noch mehr an der Glücksschraube drehen könnt.

Casual portrait of a business woman using technology in a bright and sunny startup with the team in the background

Kollegiales Coaching: funktioniert sogar ohne Profi

Eine Idee zum Nachmachen. Denn was wir für unseren Berufsbereich tun, funktioniert ja genau so gut für andere Branchen: ob freiberuflich oder fest angestellt, ob Reisebranche, im sozialen Bereich, in technischen Jobs, ob hochakademisch oder handfest-pragmatisch – eine solche Gruppe hilft ungemein, die eigene berufliche Situation einzuschätzen, neue Ideen zu entwickeln, sich über Ziele und Richtungen klarzuwerden. Auch das Nachdenken über die konkreten Jobfragen anderer rückt manchmal im eigenen Kopf etwas zurecht. Natürlich ist es hilfreich, wenn eine Teilnehmerin mit Coaching-Background dabei ist, aber unbedingt notwendig ist das nicht – vorausgesetzt, man beachtet ein paar Regeln. Die ergeben sich zum Teil von ganz allein – im zweiten Teil dieses Beitrages verrate ich sie trotzdem gerne im Einzelnen.

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