Ja! Nein!

Ja, na klar kann ich dir am Montag kurz helfen.
Ja sicher schließe ich die Schule dann auf.
Ja, du kannst jederzeit vorbeikommen.

Ist doch toll, wie positiv wir miteinander umgehen. Wir sind immer für einander da. Gestern fragte mich mein Kollege: „Antonia, sag mal, könntest Du nächste Woche eine Präsentation mit mir abnehmen?“ „Ja, kein Problem.“

Als ich im Auto saß und nach Hause fuhr, kam mir der Gedanke: Warum soll ich dabei sein? Er hat doch noch mit seiner Klasse Unterricht. Ich habe hin und her überlegt, aber ich habe keine Antwort bekommen. Ich weiß einfach nicht, warum der Kollege mich dabei haben will. Und genau das ist ja das Problem. Warum habe ich nicht nachgefragt. Und jetzt muss ich meine private Zeit dafür geben.

Wie gesagt, ich mache das jetzt, ich habe es zugesagt. Aber eigentlich will ich es nicht machen. Wie schnell sagen wir sofort ja, ohne uns zu fragen, wollen wir das wirklich. Und warum machen wir das überhaupt? Wenn ich in mich gehe, dann weiß ich, dass ich es mache, damit die anderen Menschen mich mögen. Toll, dass Antonia immer für mich da ist. Das Gefühl, wertvoll für den Anderen zu sein, tut eben gut.

Aber heißt das dann auch, dass sie mich wirklich mögen? Nein, sie haben nur gerade die Lösung für ihr Problem. Aber vor allen Dingen: Mag ich mich? Nein, denn ich nehme mich und mein Wohlbefinden nicht ernst. Ich stelle die Bedürfnisse anderer über meine eigenen und am Ende ärgere ich mich dann und gebe den anderen die Schuld, dass es mir nicht gut geht. Wenn ich ehrlich bin, übernehme ich keine Eigenverantwortung für mich und mein Handeln. Und dazu gehört auch, dass ich lerne „Nein“ zu sagen.

YinYang #31

Antonia, sei nicht so egoistisch. (Ich höre meine Mutter wieder.) Was bedeutet es aber, wenn ich Nein sage? Bleiben wir bei meinem Beispiel mit dem Kollegen: Hätte ich nein gesagt, wäre er vielleicht ein bisschen sauer auf mich, weil er jetzt allein vor der Arbeit steht. Aber mir ginge es besser.

Ich habe begonnen zu üben. Bevor ich auf eine Frage antworte, gehe ich kurz in mich und frage mich: Antonia, was willst Du? Was ist für dich richtig? Und wenn ich es nicht möchte, dann sage ich jetzt Nein!

Ich glaube, jedes Nein erfordert sehr viel Umsicht, Ehrlichkeit und Mut im Umgang mit mir, aber es lohnt sich. Die Folge ist Freiheit und Liebe in und mit mir. Und daher ist ein Nein die schwierigste, aber deshalb auch die liebevollste (mir selbst gegenüber) Antwort, die wir geben können. Es geht um Achtung und Sorgsamkeit für uns selbst. Probieren Sie es aus. Nur Mut.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg dabei. Lassen Sie von sich hören, wie es Ihnen ergangen ist. Es würde mich freuen. Und wenn Sie keine Lust haben, mir zu schreiben und Nein zu sich sagen, dann freue ich mich für Sie.

Bis bald
Ihre Antonia

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