Wechselweiber Logo

Lernen

„Wozu soll ich Fechten lernen? Das brauche ich nie.“ So ein ehemaliger Schauspielschüler, als ein Wochenendworkshop an seiner Schule angeboten wurde.

Früher (zu meiner Schulzeit) dachte ich auch so. (Sie etwa nicht?) Lernen war für mich, lernen für die Note.

Zu meinem 10 jährigen Abitur gab es ein großes Treffen mit allen Mitschülern, aber auch ein paar ehemalige Lehrer waren da. Wir kamen ins Gespräch und irgendwann hörte ich mich sagen, „also heute würde ich nochmal gern auf unsere Schule gehen und alles lernen  dürfen, wozu sie mir die Möglichkeiten gegeben haben.“

Das Gespräch fand vor 23 Jahren statt und natürlich habe ich mich in den letzten Jahren nicht so sehr mit Lernen beschäftigt. Arbeiten, Jobs finden, leben, eben solche Dinge.

wachstum

Nun bin ich über 50 und wissen Sie was? Ich mache freiwillig einen Fernlehrkurs über drei Monate. Und da ich als Lehrerin eine bestimmte Stundenzahl an Weiterbildungen pro Schuljahr absolvieren muss und ich jetzt auch Zugang zu vielen spannenden Angeboten habe, verbringe ich meine Zeit mit lernen. Es ist so spannend für mich, was es alles noch so gibt, was ich aber noch nicht  weiß. Übrigens: Die geforderte Stundenzahl für die Weiterbildung habe ich in diesem Jahr schon um 50% überschritten. Außerdem überlege ich sogar, mein erstes Studium, was ich damals abgebrochen habe, wieder aufzunehmen und den Bachelor zu machen. Verrückt, oder? Ich hätte das jedenfalls nie von mir gedacht, dass ich einmal Freude am Lernen haben werde. Aber ich glaube, ich habe begriffen, dass ich für mich lerne und nicht um Erwartungen zu erfüllen oder wofür ich etwas gebrauchen kann. In letzter Zeit kommt mir auch oft meine ehemalige Sprechlehrerin  in den Sinn. Sie hatte mit über 50 Jahren ihren sicheren Job gekündigt, um sich selbstständig zu machen. Das war vor circa 14 Jahren und ich habe es damals nicht begriffen. (Wie kann man in dem Alter noch mal was Neues anfangen?) Heute verstehe ich sie. Gierig sein auf Neues, eben neugierig. Was hat das Leben noch mit mir vor? Wo geht es hin?

Eine Bekannte outete sich letztens, dass sie schreckliche Angst vor der 5 in ihrem Alter hat. Wir, die wir die 5 schon länger tragen, konnten nur sagen: „Freu dich, es ist toll. Es passiert so viel Neues und Spannendes.“

Im November habe ich meine nächste Weiterbildung (vier Nachmittage nach 6 Stunden Arbeit, nicht ganz unanstrengend), aber ich freue mich drauf und bin total gespannt.

Ach ja, der Schüler, der den Fechtworkshop schwänzte, musste bei seinem ersten Engagement fechten, was er sich dann mit einem teuren Privatlehrer selbst beibringen musste.

Ich wünsche Ihnen jetzt eine spannende Zeit und: Seien Sie gierig!
Ihre
Antonia ☺

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert