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Automatisierung: Alles muss man selber machen!

Erst selbst tanken, dann selbst kassieren, und jetzt auch noch im Restaurant selbst die Pizza belegen: Wechselweib Heike würde sich ganz gerne mal wieder bedienen lassen.

Neulich, am Samstag Vormittag, in einem großen skandinavischen Möbelhaus. „Expresskasse, selbst kassieren!“, lockt ein sonnengelbes Schild. Kann ja nicht so schwer sein: einfach Badematte Örebrö und Gartenbankbauset Mykketykke an den Scanner halten und die EC-Karte in das Lesegerät einführen. Oder? Von wegen. Zwei Stunden später stelle ich entsetzt fest, dass ich an alles gedacht habe. Nur nicht an meine Karte. Bei meiner hektischen Rückkehr hält mir die Profi-Kassiererin einen ganzen Stapel davon hin. Und tröstet: „Das geht fast allen Kunden so beim ersten Mal.“

Do-it-yourself, zweiter Akt. Weil meinem Fahrrad an seinem Laternenparkplatz kürzlich zuerst der Sattel abhanden gekommen ist und dann auch noch der Rest seiner Würde, steige ich um auf Bike-to-go. An einem Standbildschirm muss ich zahlreiche Fragen beantworten (Kontoverbindung? Sternzeichen sämtlicher Haustiere?), ehe mir ein „Gute Fahrt!“ entgegenleuchtet. In einem hämischen Grünton. Das Fahrradschloss sitzt noch immer fest, als müsste es die Euroreserven der EZB sichern. Ein Hotline-Anruf lüftet das Geheimnis: eine Geheimtastatur, nahezu unsichtbar am hinteren Rahmenteil untergebracht, zu betätigen vor Fahrtantritt, mit einem noch zu erfragenden Geheimcode.

Woman refilling car with fuel

Dabei fing alles ganz harmlos an, in den Siebzigern. Unsere Mütter fanden es noch cool, aus den aufgereihten Gurkengläsern im SB-Markt auszuwählen, statt dass Tante Emma persönlich im Riesenfass mit sauer Eingelegtem fischte. Selber tanken förderte die Emanzipation, Bargeld rund um die Uhr machte das Leben leichter. Seither hat sich der Mensch vom Teilzeitverkäufer, Banker und Tankwart allerdings notgedrungen weiter qualifiziert: Zur Bodenstewardess, zum Zugfahrkartenverkäufer, zum Koch und Kellner. Etwa in einer italienischen Restaurantkette mit einem Namen, der so viel heißt wie „Mach mal langsam.“ Richtig: Es dauert. Denn am Tresen gibt es eher eine Rohfassung des bestellten Gerichtes, natürlich zum Selbst-Abholen. Die Feinheiten muss, äh, darf der Gast machen. Würzen, ölen, Basilikumblätter von den Bäumchen auf dem Tisch zupfen.

Jede Wette: Da geht noch was. Nicht nur in der Gastronomie. Wie wäre es zum Beispiel mit Fly-yourself-Tickets, bei denen jeder Passagier mal auf ein paar Knöpfe drücken und „Roger!“ rufen darf? Personal Feiling, dem Nagelstudio mit Selbstbeteiligung? Oder „YouWrite “ – dem modernen Lifestylemagazin, in dem der Leser den gewünschten Artikel einfach in eine großzügige Textbox eingibt? Ach so, das gibt es ja schon. Nennt sich Blog. Da kann jeder schreiben, was er schon immer mal lesen wollte. Toll, diese modernen Zeiten!

Ihre Heike

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