Der innere Räuber

Also in letzter Zeit bin ich mächtig unangenehm beeindruckt, wie sich der Innere Räuber in mir und meinen Freundinnen mal wieder zu Wort meldet. Aus der dunklen Kammer unserer weiblichen Psyche hat er sich ans Licht gedrängt, in der Hoffnung, unserer Entwicklung einen Strich durch die Rechnung zu machen. Nur um unsere wiederentdeckte Intuition und all die wiederaufkeimenden weiblichen Urkräfte platt zu walzen. Ein trauriges aber eindrucksvolles Beispiel von innerem Räubertum möchte ich gerne mit folgendem Bild beschreiben:

Bei meiner Freundin Ella hat sich der innere Räuber über die Jahre schon häuslich eingerichtet! Er wird morgens in aller Frühe von seiner Wirtin Ella mit Kaffee begrüßt und abends stellt sie ihm eisgekühlten Champagner vor die Tür. Ella pflegt ihren Räuber, da er sie täglich darin bestärkt, nicht liebenswert zu sein. Ihr Leben nicht „richtig“ auf die Reihe zu bekommen etc. Ihre Lebens- Muster und Überzeugungen werden mit ihm bedient. Er nährt sich von ihrer Schwäche und Unsicherheit. Dann geht es ihm blendend. Während Ella alla Harry Potter mittlerweile unter der Steige wohnt, thront er königlich in ihrem Himmelbett und gähnt. Hat der ein Leben!

Gangster

Bei ihr kann er sich unverblümt ausbreiten! Neulich hat er sich wieder ins Gespräch zwischen mir und Ella eingemischt. Ich sprach Ella nämlich direkt auf ihren inneren Räuber an, und dass es mal endlich an der Zeit wäre, ihn auszuräuchern und rauszuschmeißen. Ihm klar zu machen, dass seine Zeit vorbei sei!

Pustekuchen!! Da kommt ein dreckiges zynisches Lachen aus Ellas Mund. Ihr innerer Räuber braucht sich gar nicht zu verstellen, der lacht mit seiner garstigen Stimme direkt aus ihr heraus. Klare Sache, wer hier Chef in der Bude ist! Der braucht sich gar nicht mehr zu verstecken, der ist passiv voll akzeptiert.

Mein innerer Räuber kehrt ja auch gerne mal wieder durch die Hintertür ins Warme, um zu lauern, wann er mir wieder ans Bein pinkeln kann. Die fiese Zecke hat mich zeitweilig bei der Arbeit malträtiert, wenn er sich als dicke Nummer aufspielt und mir einredet, dass ich mal nicht zu entspannt sein sollte, es könnte gleich sehr unangenehm für mich werden. Mir Angst einjagt, wenn ich gerade voll bei der Sache bin. All diese Niederungen von negativen Anhängseln, die er mir immer mal wieder einreden möchte. …puh, das ist richtig Arbeit, ihn im Zaum zu halten bzw. ihm den Ausgang zu zeigen. In letzter Zeit ist er ausgeflogen, weit weg. Zum Glück! Aber wachsam bleibe ich trotzdem, weil mit ihm nicht zu spaßen ist, wenn er unangemeldet durchs Hintertürchen in den inneren dunklen Keller verschwindet, um seine Gemeinheiten auszubrüten.

Sehr ausführlich hat sich Clarissa Pinkola Estes in ihrem Buch „Die Wolfsfrau“ zum Inneren Räuber geäußert. Ich habe meinen Freundinnen bei einem unserer Weiberrunden daraus vorgelesen. Alle waren total begeistert, berührt, schauten sich gegenseitig anerkennend mit lachenden und weinenden Augen an. Ich kann es sehr empfehlen!

Sehr beeindruckend fand ich Pinkola Estes Beschreibung, dass wir ständig versuchen, uns in gesellschaftlich erwartete Gussformen zu pressen, um immer wieder frustriert festzustellen, dass wir da nicht reinpassen. Auch der Innere Räuber zwingt mich immer mal wieder da rein. Aber ich will kein angepasstes, liebes nettes Weibchen in Gussform sein! Mir entspricht von ganzem Herzen, was Astrid Lindgren geschrieben hat:
Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!!!

In diesem Sinne, es grüßt Euch fröhlich:
Beate

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