Die Wechseljahre können einen aufregenden und spannenden Lebensabschnitt einleiten

Goldzeit

Da unterhalte ich mich doch neulich mit meiner Nachbarin auf dem Trockenboden beim Wäsche aufhängen und sie erzählt mir von einer Heilpraktikerin und Homöopathin, die regelmäßig u.a. eine offene „Teatime“ eingerichtet hat, wo sich Frauen über ihre Probleme in den Wechseljahren austauschen können. „Wenn das mal nix für die Wechselweiber wäre“, habe ich mir gedacht, rief kurzerhand Frau Stahl an und wir führten ein herzliches und anregendes Gespräch miteinander. Es folgte ein Interview mit ihr, das ich Euch heute vorstelle.

B: Liebe Martina, was hat dich als Heilpraktikerin und Homöopathin motiviert, dich auf die Wechseljahre zu spezialisieren?

M: Als ich vor gut zwei Jahren bei der VHS Hamburg anfragte, ob ein Kursangebot für Frauen zum Thema Wechseljahre erwünscht ist, lautete die Antwort sinngemäß: Toll, dass Sie so etwas anbieten, aber Wechseljahre sind ein Tabuthema, das wird nicht angenommen. Merkwürdig, dachte ich, die Zielgruppe ist eigentlich riesengroß, und der Anteil der Frauen, die Beschwerden haben, ist mit zwei Dritteln erheblich! Natürlich ging ich der Frage nach, ob das so stimmen kann: Sind Wechseljahre etwa immer noch ein Tabuthema?

Die Wechseljahre können einen aufregenden und spannenden Lebensabschnitt einleiten
Die Wechseljahre können einen aufregenden und spannenden Lebensabschnitt einleiten

Dabei stieß ich auf sehr unterschiedliche Reaktionen: Zum modernen Selbstbild vieler Frauen gehört es offenbar, „Multitasker“ zu sein, Mehrfachbelastungen nach außen spielerisch zu meistern und dabei auch noch möglichst blendend auszusehen. In dieses Bild passen keine Wechseljahresbeschwerden, diese Gruppe wird von Symptomen wie Hitzewallungen und Schlafstörungen kalt erwischt. Und greift besonders häufig zu Hormonen, um diese störenden Zeichen „auszuschalten“. Offenbar nehmen diese Frauen Alterungszeichen als persönliche Niederlage wahr, die es um jeden Preis zu vermeiden gilt. Burnoutsymptome können Wechseljahressymptomen übrigens stark ähneln (Herzrasen, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit, Panikattacken etc.) wobei der Multitasker-Gruppe die Diagnose „Burnout“ immer noch weit angenehmer ist als die Diagnose „Klimakterium“.

Im Gegensatz zu dieser Art, mit den Wechseljahren umzugehen, gibt es ein anderes Extrem: Frauen, die mit den ersten Symptomen ihr letztes Stündlein schlagen hören. „Nun geht es mit mir bergab.“ sagte mir eine 49-jährige Frau, „sind die Wechseljahre der Anfang vom Ende?“ Darauf müsste ich dann mit einer Gegenfrage antworten: Wer bist DU? Definierst du dich ausschließlich über deinen Körper? Und selbst wenn es so wäre: Kannst du die Zeichen deines bisher gelebten Lebens nicht auch liebevoll und stolz an deinem Körper wahrnehmen? Welche äußeren Zwänge verderben dir die Freude am Erfahrungsreichtum, am geistigen Reifungsprozess?

Nun wurde mir klarer, worin meine Aufgabe bestand: Nämlich Frauen auf ihrem Weg durch die Wechseljahre individuell zu begleiten und zu unterstützen.

B: Sind wir Frauen in unseren Wechseljahren in Deutschland optimal betreut oder gibt es Verbesserungsbedarf?

M: Schön wäre es, wenn Frauen zu diesem Thema eingehende Infos und Tipps bekämen und über schulmedizinische und alternative Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt würden. Davon sind viele Arztpraxen leider noch weit entfernt. Häufig wird zunächst eine Gynäkologin aufgesucht, die aufgrund der – oft unspezifischen – Symptome einen Hormontest durchführt. Nach einigen Tagen heißt es dann per Telefon „alles okay, noch keine Wechseljahre“. Zurück bleibt die Frau mit ihren Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Brustspannen und vielen weiteren Beschwerden, die nach dem Praxisbesuch nicht mal einen Namen haben. Zitat eines Allgemeinmediziners: „Na, Sie sind ja jetzt so in dieser Zeit, Sie wissen schon, da ist das manchmal so“. Könnte auch aus den fünfziger Jahren stammen, ist aber ein Satz von 2014!

Zum Glück sind nicht alle Gynäkologen so. Und es gehen mittlerweile einige Bildungseinrichtungen z.B. in Hamburg in die Offensive und bieten Kurse zum Thema Wechseljahre an.

B: Warum ist es für betroffene Frauen sinnvoll, ein Wechseljahres-Seminar zu besuchen? Du bietest ja eine offene „Teatime“ und verschiedene Kurse zum Thema an!

M: Neben der Wahrnehmung der körperlichen Veränderungen nehmen Frauen in den Wechseljahren aber auch ihre persönliche Lebenssituation unter die Lupe: Wo stehe ich? Was ist mir wichtig? Wo will ich hin? In den Wechseljahren kann eine ganze Menge in der Waagschale landen, um dann aus neuer Blickrichtung beurteilt und sortiert zu werden. Gerade bei Frauen, die spät Kinder bekommen haben, stoßen die Themen Wechseljahre, Pubertät der Kinder und Pflegebedürftigkeit der eigenen Eltern oft zusammen. Auch das realistische Einschätzen der eigenen Lebensträume kann ein großes Thema für Frauen in den Wechseljahren sein. Besonders wichtig ist dabei der Austausch mit anderen Frauen: Wechseljahre können so vieles sein: belastend und klärend, verunsichernd und ordnend, aufwühlend und besänftigend…

In meiner Praxis in Hamburg biete ich regelmäßig genau für diesen Austausch eine „Goldzeit-Teatime“ für Frauen ab 40 an sowie Wechseljahres-Kurse mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Wir können das Klimakterium als das sehen, was es ist: Ein sehr spannendes Stück Leben! Mein Anliegen ist es, statt „Augen zu und durch“ lieber folgendes Motto zu wählen: Augen auf und mutig, heiter und vor allem: gemeinsam durch die Wechseljahre!

B: Danke, liebe Martina, für das Interview!

Ich bin ganz begeistert und fühle mich sehr angesprochen von der Vielfalt und Ganzheitlichkeit, die Martina Stahl in ihrer „Goldzeit“ anbietet. Es wäre wünschenswert, wenn deutschlandweit noch mehr Institutionen dies erkennen würden, und Angebote für die Bedürfnisse von Frauen in den Wechseljahren schaffen würden. Ich habe den Eindruck, das wir uns mit Martina auf den Weg machen können, unser verschollenes Urwissen, unsere weibliche Kraft und Intuition wieder zu entdecken und zu beleben. Wir erfahren Unterstützung in schwierigen Zeiten und Wege aus der Krise. Bewusstsein zu schaffen und einen liebevollen Umgang mit uns selbst zu pflegen ist eine wunderbare Bereicherung. Nicht unsere Schwächen zu nähren, sondern unserer Kraft die volle Aufmerksamkeit zu schenken, empfinde ich als herausfordernden und goldenen Weg in eine erfüllende neue Zeit.

In diesem Sinne: Lasst es Euch gut gehen!
Goldene Grüße von Beate

4 Kommentare zu: »Goldzeit«

  1. ein guter Artikel. Die Wechseljahre beschäftigen mich schon seit längerem auf diversen Ebenen. Da ich bis jetzt keine geeignete Fachperson gefunden habe, verarbeite ich diese Wechselmomente in einem Blog. Aber eben, das ist nur eine Monolog und kein Dialog.

  2. Meine Wechseljahre haben vor kurzem begonnen und ich würde mich gern darüber austauschen. Ich fühle mich seitdem einfach nicht mehr so richtig als Frau…

  3. So eine „Martina“ würde ich mir in meiner Umgebung wünschen. Sie spricht mir aus der Seele und ich hoffe, dass ich demnächst eine Frauengruppe zum Austausch finde… Obwohl ich mich fühle wie „mitten drin“ in den Wechseljahren, meinte auch meine Gynäkologin, dass der Beginn erst mit Ausbleiben der Periode zu definieren ist…Mein Bauchgefühl 😉 und Körpergefühl sagt mir, dass das nicht stimmen kann! Ich freu mich deshalb sehr über diesen Artikel- Danke!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.