Super Helden! und Heiße Weiber!

Der einzig wahre James Bond, nun denn, keine Frage, das ist Sean Connery. Udo erntete von drei bedächtig nickenden Köpfen Zustimmung. Nur der ernste Mark nickte nicht, sah urplötzlich sehr angespannt aus. Die hilflosen Zwischenspiele kann man vergessen. Allerdings ist Zweimal-Bond Timothy Dalton ein hervorragender Schauspieler, ergänzte belehrend Christoph. Als Kulturjournalist durfte er ein solch intellektuelles Thema nicht einem Laien überlassen!

Ja, welcher ist denn nun der einzig wahre James???
Ja, welcher ist denn nun der einzig wahre James???

Wir saßen in unserer Stammkneipe beim monatlichen Männerabend, und dieses Thema hatten wir noch nie am Wickel gehabt. Folgenschwerer Auslöser war der harmlose Einwurf von Mark, dass der nächste Bond-Film noch dieses Jahr zu erwarten sei. Ein gigantischer ironischer Fehlgriff war Roger Moore, empörte sich Mark. Very british, very steif und ohne jeden Charme. Pierce Brosnan, das war dann der neue Typ Gentleman, zeitgemäß, gut. Christoph lächelte wohlwollend. Bond spiegelt wohl immer den Zeitgeist, versuchte ich zu vermitteln. Aber der einzig wahre Bond, so Udo rechthaberisch, das ist Connery. Daniel Craig, dem es erst einmal scheißegal war, ob der Martini nun gerührt oder doch geschüttelt serviert wurde, lachte Mark und war plötzlich gar nicht mehr ernst, zugegeben, nicht ohne Witz. Wodka-Martini, korrigierte Udo. Nicht mehr ganz so super, der Held von Daniel Craig, eroberte Christoph wieder die Meinungs-Führerschaft, nein, plötzlich auch leidensfähig. Aber der einzig wahre Bond, beharrte Udo unbeirrt, keine Frage, sein Name ist Connery. Sean Connery. In der Luft über dem Stammtisch schwirrten Tausende Teilchen Testosteron. Und vier Köpfe nickten bedächtig Zustimmung, vielleicht nur, um das leidige Thema endlich zu beenden.

Wie kleine Jungs, dachte ich, wir sind wie kleine Jungs auf dem Bolzplatz. Super, diese Helden! Meiner ist einfach besser! Was war das, was uns mehr oder weniger mangelhaft informiert über Machos auf Zelluloid philosophieren ließ? Dass einer den anderen übertrumpfen wollte mit seinen intimen Details? Vor allem Mark schien mir heute besonders griffig, wenn er zickend Udo konterte. Ein besonderes Zeichen von Midlife etwa? von Wechsel gar? So engagiert über Unwichtiges habe ich das selten erlebt bei unserem Männerabend, eigentlich nie. Selbst bei den extremen Fußball-Disputen der Revier-Gegner – Udo schwärmt für Dortmund und Mark lässt allen Ernstes nichts über Schalke kommen – ging es gesitteter zu, höchstens bei Udo zuhause hing manchmal der Segen extrem schief, was er gern theatralisch zerknirscht erzählte, denn seine Frau war unbeirrbarer Bayern-Fan.
Aber heute – wie Pubertierende, die sich beim Pinkeln messen. Meiner ist länger und ich pinkle weiter. Was war los mit Mark? Und mit Udo?

Auf dem Heimweg wollte ich meiner Liebsten noch eine Zeitschrift vorbei bringen, einen Artikel zum derzeitigen Thema Nummer Eins. Wechseljahre. Ich wusste, dass Stella bei ihrem wöchentlichen Mädelsabend war, deshalb klingelte ich nicht, sondern sperrte die Wohnungstüre einfach auf. Was ich sonst nie mache, ohne vorher zu klingeln. Da hörte ich, dass die „Heißen Weiber“ heute offensichtlich außerplanmäßig hier bei Stella tagten. Ihren Mädelsabend hatten sie früher „Bunte Vögel“ genannt. Aber als der Mann von Ute sie eines Abends fragte, ob sie wieder zu ihrem Vögel-Abend gehe, fanden das alle nicht so lustig und benannten sich um. Nicht ohne Hintersinn, siehe biologisches Stadium, nun also „Heiße Weiber“.

Musste ich wohl schnell Hallo sagen, um nicht unhöflich zu sein, und dann wieder flugs das Feld räumen. Als ich vor der angelehnten Wohnzimmertüre stand, spähte ich durch die Ritze – sie waren zu viert heute. Und da hörte ich Stella: Meine momentane Mood ist gaaanz, gaaanz heiß. Und sie lachte, tatsächlich, sie lachte! Seit Wochen hatte ich sie nicht mehr lachen gehört. Karin fiel in das Lachen ein: Meine Disposition heute scheint heiß … Da unterbrach sie eine sehr tiefe Stimme, das konnte nur Ute sein: Wollt ihr wissen, wie meine derzeitige Befindlichkeit ist? Wollt ihr das wirklich wissen? Ich sage nur: Hitze. Aber das ist nicht mehr nur einfach Hitze. Das ist Siedehitze. Gluthitze. Das ist Bruthitze, ja Bullenhitze. Das ist Hitzehitze. Das bringt mich noch zur Weißglut!

Und alle Vier lachten und kreischten, als hätten sie grade den Witz des Jahrhunderts gehört.

Auf leisen Sohlen machte ich mich wie ertappt von dannen, nachdem ich die Zeitschrift vorsichtig auf die Kommode gelegt hatte. Mann hat eben nix verloren auf dem Mädelsabend. Und eigentlich war ich sehr froh darüber, wie ausgelassen die Wechselweiber grade waren. Sie nahmen das Problem ihrer Wechseljahre inzwischen mit Humor. Und kratzten sich nicht die Augen aus wie wir Jungs in einem ähnlichen Stadium, von dem wir offensichtlich nix wussten.

In diesem Sinne – bleiben Sie weiblich!
Ihr Jörg

Jörg

Jörg

Jörg erzählt mit seinem eigenem Humor und viel Esprit über sein Leben mit seiner Frau Stella und den Wechseljahren.

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