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Keine blasse Ahnung oder: Was das jetzt wieder soll

Beim Aufräumen ein altes Heft gefunden. Beginne zu lesen.

„Heute weiß ich wieder, warum wir nicht zusammen wohnen.

Am Wochenende war sie bei mir, wie sich das so eingespielt hat, wieder von Samstag Mittag bis Montag Morgen. Eigentlich wurde es mir schon am Samstag Abend zu viel, da war sie noch keine zwei Stunden da. Schon als sie kam, beschwerte sie sich lautstark, warum sie noch nicht essen könne, schließlich wisse ich, dass sie nicht so spät essen wolle. Und dann schmeckte ihr ‚die Sättigungsbeilage‘ nicht. Obwohl ich voller Überraschungsfreude bunten Reis gekauft und ein – wie ich fand – besonders gelungenes Risotto daraus gezaubert hatte. Ich war richtig stolz. Und dann das Gesicht.

Drüber reden hilft - oft versteht der Partner einen besser, als man denkt...
Drüber reden hilft – oft versteht der Partner einen besser, als man denkt…

Nach dem schweigend hineingemampften Essen, das für sie nach vergarter Knastkost schmecken musste und mir verständlicherweise auch im Hals stecken blieb, trug ich die Teller in die Küche, sie war auf die Toilette gegangen. Als ich wieder ins Wohnzimmer kam, saß sie im Eck auf dem Sofa, zusammengekauert, die Knie angezogen. Das Bad müsste auch mal wieder geputzt werden, sinnierte sie wie in Gedanken. Mir schlug das Herz bis in die Kehle. Ich war sauer. Immerhin verbringt sie ja auch manche Zeit in meiner Wohnung, da könnte sie ja auch mal. Und plötzlich aus der Sofaecke: Ich glaub ich will nach Hause.

Und ich schluckte den Ärger weg und sagte, Ja, gut, du bist ein freier Mensch.
Und das war auch wieder nicht richtig.
Sie kämpfte gegen die Tränen an, ich wollte sie in den Arm nehmen, was sie verweigerte, und dann ging sie.

Eine Stunde tigerte ich in der Wohnung herum.

Eine Stunde später versuchte ich sie anzurufen.

Der willkommene Ich-will-jetzt-nicht-mit-Dir-reden!-Helfer, der blecherne Assistent:
„Leider kann ich gerade nicht ans Telefon kommen … “ Und das drei Mal.
„Leider kann ich gerade nicht … “
„Leider … “
Dann hatte ich keine Lust mehr. Und holte mir eine Flasche Wein und hockte mich vor den Fernseher und schaute mir einen der langweiligeren James-Bond-Filme an, ohne was aufzunehmen. Mit Roger Moore, den ich eh nicht mag als 007. Ich weiß nicht einmal mehr den Titel.

Sie ist anders geworden.
Extrem empfindlich. Schnell aggressiv. Und dann gleich beleidigt.
Ich weiß nicht ganz, was das soll.
Ist sie meiner überdrüssig?
Geht die Beziehung so lang, dass sie langweilig geworden ist? Immerhin sind wir ja nun schon weit über das verflixte Siebente hinaus. Wann ist die nächste programmierte Krise?

Momentan habe ich den Eindruck, sie vermeidet mit mir zu reden. Zaghafte Versuche von mir werden schnell abgebügelt. Motto: Alles kein Problem! Was hast du nur? Man wird doch noch! Stell dich nicht so an! und so weiter, das Repertoire scheint unerschöpflich.
Sie kränkelt ständig, zieht sich zurück, weist mich ab.
Wenn ich es nicht biologisch besser wüsste, dächte ich, sie kommt in die Pubertät.

Ich denke, ich muss einen Weg finden, mit ihr zu reden. Das sieht nicht nach einer körperlichen oder seelischen Verstimmung von ein paar Tagen aus. Das ist körperlich und seelisch und geht glaube ich tiefer.

Keine Ahnung was da läuft. Hat sie einen anderen kennengelernt? Vielleicht ist alles aus und sie traut sich nicht, mir das zu sagen.

Gut, dass wir nicht zusammen wohnen.
Aber ich will sie trotzdem nicht verlieren, zu vieles verbindet uns.

Wir müssen reden!
Ich muss mit ihr reden!“

Das habe ich vor zwei Jahren notiert. Und dann habe ich allmählich immer hartnäckiger versucht zu reden. Und endlich haben wir geredet. Nicht nur einmal, immer wieder.

Und heute können wir reden, sobald ein Wölklein die Stimmung trübt.
Heute weiß ich auch, dass nicht unsere Beziehung der Grund für ihre schlechte Stimmung war, sondern ihre Wechseljahre.

In diesem Sinne – reden Sie miteinander!
Erfahrungsgemäß muss die Initiative meistens von der Frau ausgehen.

Seien Sie mutig!

Ihr Jörg

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