Silberne Hochzeit mit meiner besten Freundin

Vor ein paar Tagen telefoniere ich mit meiner besten Freundin, die ich schon wieder eine halbe Ewigkeit nicht gesehen habe. Und kaum höre ich ihre vertraute Stimme, habe ich das Gefühl, als hätte ich mit ihr noch gestern den Abend verbracht. Als hätten wir wie in alten Tagen ne Nudel in den Topf geschmissen, den Rotwein begrüßt und auch schnell wieder verabschiedet und über das Leben philosophiert.

Freundinnen
Ob diese beiden Mädels auch mal Silberne Hochzeit feiern werden?

Diese wunderbar wärmende Vertrautheit, die selbst durchs Telefon hindurch fließt;  ihren Tonfall wahrzunehmen, der mir sofort verrät, wie es ihr geht. Und die immer wiederkehrende Freude darüber, was wir schon alles  gemeinsam erlebt haben oder auf Pony-Deutsch:
Wir sind echt durch dick und dünn gegangen!

Ich kenne meine Freundin länger als meinen Kerl, den ich nun sage und schreibe auch schon 20 Jahre an meiner Seite habe. 20 Jahre!! Das muss man sich mal vorstellen! Aber: Meine beste Freundin kenne ich nun schon 25 Jahre! Ein wunderbarer Zeitpunkt, wie ich finde, um mit ihr unserer Silberne Hochzeit zu feiern!! Einfach so!

Ich werde eh nie in Verlegenheit kommen, Silberne Hochzeit zu feiern, da ich nicht verheiratet bin und  aller Voraussicht auch niemals sein werde. Es gibt genug Vorzeige-Paare, die nach zwanzig Jahren in wilder Ehe plötzlich auf die rasend verrückte Idee kommen, sich Ringe an die Finger zu stecken, um dann nach kurzer Zeit das Weite zu suchen. Schon zu oft  erlebt! Also ist es doch eine gute Idee, mit der besten Freundin dieses glorreiche Fest zu feiern.

Ich habe Karoline kennengelernt, da war ich zarte 21 Jahre alt. Wir haben zusammen Theater gemacht, viele Male bei Produktionen gestritten und uns dann wieder versöhnt. Wir  haben die Nächte durchgetanzt, die einschlägigen Bars der Stadt besiedelt und um die Wette mit Männern geflirtet! Ach, es waren herrlich lustige Zeiten.  Zum Glück hatten wir selten denselben Männergeschmack. Wir waren füreinander da, wenn die Wellen drohten, über uns zusammen zu schlagen. Es gab dutzende kritischer Gespräche, und dann wieder motivierende und hilfreiche Worte, mit denen wir uns gegenseitig  aus dunklen Tälern hinauf begleiteten. Auch wenn unsere Söhne sich alles andere als verstanden und wir als Familien leider nicht die Zeit gemeinsam verbringen konnten, tat dies unserer Freundschaft keinen Abbruch.

Unsere schönste gemeinsame Geschichte war folgende, als ich Karoline spontan anrief und fragte, ob wir nicht gemeinsam 4 Tage den norddeutschen Jakobsweg erwandern wollten. Keine große Vorausplanung, einfach losgehen! Mit Landkarte und allem Nötigen im Rucksack, komme was wolle. Raus aus der Stadt, nur Zeit für uns zwei.

Und was hatten wir für einen Mordsspaß!! Was durchs Wandern noch so alles aus den Tiefen unseres  Universums ans Licht drängte war einfach der Hammer. Wir waren ausdauernd am singen und dichteten uns die Seele aus dem Leib. Karoline speicherte allen kreativen Wahnsinn in ihrem intellektuellen Elefantengehirn, um später ein Reisetagebuch zu schreiben, das ich bis heute nicht gesehen habe!! Der Klopper war ja, das sie mir nach unserer Reise gestand, sie hätte gedacht, das wir nach der Wanderung entweder noch bessere Freundinnen würden oder die Freundschaft vorbei wäre!! Da muss man erst mal drauf kommen!!

Ersteres war der Fall!! Die Freundschaft hat gehalten, denn sonst wäre das ja jetzt nix mit der silbernen Hochzeit geworden.

Es grüßt Beate

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