Was Männer über die Wechseljahre wissen

Für diesen Artikel habe ich einen Fragebogen zusammengestellt und ihn anschließend an verschiedene Männer verschickt. Allesamt gute Freunde und, bis auf einen, schon mit Wechseljahren konfrontiert.

Bei so einer Umfrage bekommt man nicht nur Antworten auf die Fragen, sondern auch auf das, was zwischen den Zeilen steht, und außerdem: Keine Antwort ist auch eine Antwort!

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Schon spannend, was Männer so denken…

So haben von acht Männern vier geantwortet. Ich weiß nicht, ob die anderen umgezogen sind, schwer krank im Bett liegen, oder schlichtweg keine Lust gehabt haben. Vier Männer – ist natürlich kein ernst zu nehmender Schnitt durch die deutsche Männerwelt, auch nicht in Anbetracht ihres sozialen Status’, keine religiösen Unterschiede, keine Minderheiten, aber immerhin ist ein Österreicher dabei! Er hat als einziger (was nichts bedeutet) keine Ahnung (was ebenfalls nichts bedeutet), denn er ist zu jung und hat sich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt.

Fazit: Der Wechsel kommt früh genug, es interessiert nur die Betroffenen, Gynäkologen und Pharmaindustrie.

Mein Freund Georg hat sich sehr ernsthaft mit den Fragen beschäftigt. Auf die Frage ‚Was sind die Wechseljahre?’ sagt er: Transformation, Abschied, Neubeginn. Ja, sage ich, wir feiern doch auch den Jahreswechsel, warum empfinden wir unseren körperlichen Neubeginn als lästig? Seine Aussage impliziert allerdings, dass Männer genauso in den Wechsel kommen wie Frauen. Auf berufliche Veränderungen, das Alter, die Probleme, die dieses mit sich bringt, bezogen, ist das ja auch richtig. Eugen sieht da schon einen Unterschied. Er weiß, dass Wechseljahre „die Zeitspanne bei einer Frau ab dem Nachlassen der Gebärfähigkeit (Produktivität) bis zum völligen Abklingen derselben“ sind. Damit gesteht er den Frauen (in der nächsten Frage) automatisch mehr „Leiden“ zu (inklusive Menstruation und Geburt), was, außer Georg, auch die restlichen Probanden finden, und das sind immerhin 75%!

Soll die Frau Hormone nehmen, wenn sie Probleme hat/macht? Die Frage war nicht ganz ernst gemeint, ich wollte meinen Freunden bloß einen kleinen Ball zuspielen. Trotzdem, die Antwort ist klar: Nicht so gut/ u.U in Absprache mit dem Arzt/auf keinen Fall. Nur mein österreichischer Freund hat sich natürlich auf das zweite Verb bezogen und mit ‚unbedingt!’ geantwortet. War witzig gemeint, kommt aber tatsächlich oft vor, dass frau lieber Hormone nimmt, als sich von ihrem Mann mehr Zuwendung zu holen, wenn sich Glückshormone über Nacht verabschieden.

Was mich ebenfalls interessierte, war ihre Meinung zur Attraktivität der Frau, sofern sie fruchtbar/unfruchtbar ist. Keiner der Jungs (und das sind immerhin 100%!) denkt, dass Attraktivität mit Fruchtbarkeit zusammen hängt! Aus dem Mittelalter sind wir, Gott sei Dank, heraus! Sehr wohl können sie die Frau aber verstehen, wenn diese sich selbst unattraktiv findet, was auch tatsächlich sehr häufig vorkommt – Mädels, ich glaube, das Problem ist selbst gestrickt!

Bei der Frage nach dem Grund, warum Schleimhäute trocken werden, gehen die Meinungen etwas auseinander. Sie werden als Alters bedingte Dehydrierung/fehlende Lust/fehlendes Vorspiel/keine Ahnung (Hallo, Österreich!) gesehen.

Die Antwort ‚fehlendes Vorspiel’ hat mir natürlich am besten gefallen:

Wie oft werden Frauen als frigide bezeichnet, nur weil sie nicht schon beim Anblick einer ausgebeulten Männerunterhose in Ohnmacht fallen! Dass sich auch Männer über Fünfzig mal ein bisschen um ihr Aussehen kümmern könnten, ist hier allerdings nicht das Thema. Unsere Männer haben es schon schwer mit uns emanzipierten Frauen: Erst wollen wir über unseren Körper selbst bestimmen und nun auch noch über ihren!

Auf die letzte Frage bin ich besonders stolz, denn ich habe daraus eine wichtige Erkenntnis gezogen: Haben Frauen von sog. Naturvölkern weniger Probleme mit den Wechseljahren? Die einstimmige Antwort lautet: Ja. Natürliche Lebensvorgänge werden viel eher akzeptiert. Eugen meint, dass die soziale Abwertung (zum Thema ‚soziale Abwertung’ ein andermal mehr) wegfällt, wodurch ein großes Problem ausbleibt. Georg bringt es auf den Punkt: Sog. Naturvölker haben sicher sehr viel mehr Probleme mit ihrer Lebensbewältigung. Und ich sage: Nach zehn Kindern sind die Frauen sicher froh, endlich Ruhe zu haben – wenn sie überhaupt so alt werden, um in den Genuss einer Transformation zu kommen.

Wie gut uns das doch geht: medizinisch versorgt, emanzipierte Männer (100% J), und ein Thema, das nicht tabuisiert wird!

Last not least: Deutschland und Österreich sind sich einig im Glauben an die Macht des positiven Denkens. Ich übe das schon mal – Georg fragt: Warum werfen Bäume im Herbst ihr Laub ab? Und ich antworte: Damit endlich Licht ins Dunkel kommt!

Jungs, danke!
Mädels, weiter machen!

Eure Gudrun

3 Kommentare zu: »Was Männer über die Wechseljahre wissen«

  1. Hallo Gudrun,

    Deine Männerbefragung ist ein interessantes Projekt! Auf die Idee wäre ich nicht gekommen, ich gehöre anscheinend zu der altmodischen Sorte, die ihre unterleibsspezifischen Problemchen und schließlich den großen „Hormonschock“ schön still für sich behält, sich allenfalls mit Leidensgenossinnen darüber austauscht. Mag auch daran liegen, dass ich in dieser, gottseidank ohne Hormongabe gut überstandenen Zeit männerlos blieb, was mich wenig störte, so habe ich mein Frausein neu definieren können. Sehr spannend!
    Lieben Gruß an Georg, der Mann kennt sich aus! In seinen 3 Worten ist zumindest der Hauch einer spirituellen Komponente erkennbar, was ich für nicht unerheblich halte.
    In diesem Sinne Glückwunsch den Frauen, deren Männer sensibel genug sind, aus der Wechselphase die positiven Aspekte für beide zu erkennen, schließlich muss das „starke Geschlecht“ sein Mannsein auch irgendwann
    neu überdenken. Das kann auf keinen Fall schaden.

  2. LLiebe Gudrun,
    Ich will auch einen Fragebogen – schon aus Gründen der Gleichberechtigung. Unbedingt muss nach sozialer Abwertung hinsichtlich der Wechselkerle gefragt werden 😉

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