Über die Endlichkeit des Lebens

Liebe Wechselweiber,

ich hatte vor kurzem ein sehr berührendes Gespräch mit einem Arbeitskollegen, das mich nachdenklich gemacht hat. Es geht um den Tod, dem wir alle entgegen leben. Mein Bewusstsein und das meiner Freundinnen, die wir alle so zwischen 40-55 Jahre alt sind, ist in Bezug auf unser aller Endlichkeit gewachsen. Wir sind nicht mehr die unbekümmerten Leichtfüße, denen die Welt gehört, die allein und ohne Familie und Verantwortung durchs Leben toben.

Dies wäre doch ein schöner Ort der letzten Ruhe, oder?

Stattdessen ist eine Tiefe im Geist und in der Wahrnehmung entstanden, die den Tod in ein Wechselbad der Gefühle tauchen lässt. Kennt nicht jeder das ungemütliche Gefühl das sich ausbreitet bei der Frage, was denn eigentlich so sein wird nach dem Tod!!? Ich werde ja nicht mehr erwachen als ich! Oder doch? Vielleicht meine Seele? Mein was-weiß-ich-was? Oder werde ich im Körper eines anderen Wesens wiedergeboren, um mich seelisch weiter zu entwickeln?? Tja,….Fragen über Fragen…!!

Mich damit abzufinden, dass einfach Ende ist, das will und kann und vor allem möchte ich mir das echt nicht vorstellen! Da wird mir immer so schwummrig im Kopf, da ich mich dann so richtig ins Karussell der „Fragen ohne Antwort“ stürze. Uah, ne!! Mich hat diese ganze Fragerei irgendwann zu Elisabeth Kübler Ross geführt, die sich in vielen Büchern mit dem Leben nach dem Tod und Nahtod-Erfahrungen beschäftigt hat. Ihre Antworten darauf haben mich beruhigen können! Übrigens gibt es da für neugierige Kinder und Jugendliche ein Buch von ihr: „Über den Tod und das Leben danach“.

Mein 13-jähriges Patenkind hatte sehr viele Fragen zum Tod, die ihre Familie nicht beantworten mochte. Eine Generation vor ihr gab es einen unverarbeiteten Kindstod. Meine Kinder haben mich als Sechsjährige bereits mit Fragen nach dem Tod und was dann kommt bombardiert. Neulich fragt mich mein kleiner Stöpsel, wie lange es dauert, bis man vom Hochhaus unten angekommen ist, wenn man runter springt! Und ob er dann gleich woanders wieder geboren wird. Also er selbst in einem anderen Körper und so weiter… Mann, Mann, Mann, der kommt auf Fragen!!!!

Ein Bericht von Frau Kübler Ross ist mir besonders haften geblieben: Ein Patient, der bei einer Operation durch Herzstillstand starb und reanimiert wurde, berichtete später davon, wie er aus seinem Körper heraus glitt und die ganze Aufregung des Ärzteteams und seine Reanimation mit innerer Ruhe betrachtete. Er konnte davon berichten, was die Ärzte gerufen hatten, erinnerte sich an einen herbei gerufenen Arzt und dessen auffällige Kleidung etc. Der Weg zurück ins Leben wurde von ihm eher als unangenehm empfunden. Sehr spannend!! Da kann sicherlich nicht jeder was mit anfangen, aber mein Inneres sagt mir, das es da irgendetwas gibt, was ich nur mit meinem kleinen Gehirn nicht erfassen kann. Wie auch??? Stellen wir uns unsere Gehirnmasse mal im Vergleich zu unserem Planeten oder des Universums vor, von dem wir nicht einmal wissen, wo dieses anfängt und endet!!! Es scheint doch vermessen, zu glauben, dass unser Verstand zur Aufklärung all unserer Fragen überhaupt in der Lage ist!

Wenn ein Mensch stirbt, wird sein Körper in unserer Gesellschaft häufig erst mal aus dem Sichtfeld geräumt. Als mein Vater vor 19 Jahren im Sterben lag, wollte er unbedingt als Toter in unserem Haus aufgebahrt werden. Diese Vorstellung fand ich damals ungeheuerlich schrecklich. Haben wir auch nicht gemacht. Als dann meine Omi starb, bat ich im Krankenhaus darum, Zeit mit ihr verbringen zu dürfen. Diese Stunden mit ihr, als ich ihre ultralangen Haare, die sie ein Leben lang gehabt hat, mit der Bürste kämmte…ihren Kopf langsam von Seite zu Seite drehte, um ihr die Haare zu beiden Seiten einzuflechten…und dabei mit ihr sprach und weinte… ihre wächsernen Hände in den meinen hielt und ihren Geist so sehr an meiner Seite spürte… da wurde mir klar, warum wir Zeit mit den Toten verbringen müssen. Der Geist ist noch da!!! Es heißt, der Geist bleibt bis zu 3 Tage noch präsent!! Klingt vielleicht irritierend, aber das war mir nach diesen Stunden mit meiner kleinen süßen Omi glasklar!!! Seither habe ich sowohl meinen Schwiegervater am Todestag den ganzen Nachmittag im Wohnzimmer bei Blumen und Kerzenschein im Kreis der Familie und einiger Freunde verabschiedet. Für unsere Kinder schien das völlig normal. Es sollte eigentlich normal sein!! Und meiner Mutter konnte ich auf diese Weise, als sie vor mir tot im Bett lag, noch mal alles Wichtige mitteilen, wozu ich vorher nicht in der Lage gewesen bin. Das waren auf wundersame Weise sehr wichtige Stunden für mich. Ich möchte gerne jeden Menschen ermutigen, Zeit mit den Toten zu verbringen. Für  mich war es, trotz des Schmerzes, jedes Mal ein Geschenk.

Einen lieben Gruß von Beate

Tipp: Es gibt Ruhewälder, wo man einen Baum kaufen kann, an dessen Wurzeln die kompostierbaren Urnen vergraben werden. Das finde ich persönlich einsame Spitze!!!

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