Über die wohltuende Wirkung des Lästerns

Nein, dies hier ist kein Sündenpfuhl, und ja, ich lästere gelegentlich. Nicht mit jedem und nicht immer gleich intensiv. Aber ich fühle mich danach definitiv besser.

Ich mag die Menschen. Aber nicht alle. Das ist normal, und es wäre eine Lüge, wenn ich behauptete, mich störten die diversen Klatschen meiner Freunde überhaupt nicht.

Klatsch und Tratsch und Lästereien: nicht wirklich nett, machen aber Spaß …

Ich möchte hier ein paar Sätze zur heilenden Wirkung des Lästerns schreiben. Unser ganzes Leben lang bekommen wir gesagt, wie wir uns verhalten und welche Eigenschaften wir haben sollten. Lästern gehört leider nicht dazu. Und doch ist es ein beliebter Sport. Mein Mann würde es zwar eher zu den Kinderkrankheiten zählen, aber auch diese sollen bekanntlich eine reinigende Wirkung haben.

Etwas moralisch Verwerfliches zu tun, ruft bei den meisten Menschen Gewissensbisse hervor. Aber, wie das Wort schon sagt, Bisse tun den wenigsten gut. Außer man ist Masochist oder will Punkte für ein ewiges Leben im Himmel sammeln. Ich bin weder das eine, noch will ich das andere.

Je älter wir werden, umso schlechter können wir Angriffe abwehren und vermeiden deshalb unnötige Konflikte. Zu den kleinen und größeren Familienproblemen kommen Hormonschwankungen, die uns verunsichern. Und eines Tages müssen wir es uns eingestehen: Der Wechsel steht nicht mehr vor der Tür, sondern hat Einzug gehalten.

Viele von uns fühlen sich dadurch zurückgeworfen. Wir verhalten uns dementsprechend unauffällig, ordnen uns unter und unterlassen Handlungen, die man uns vorwerfen könnte. Wir fangen an, lästigen Fragen aus dem Weg zu gehen, gut gebaute Freundinnen zu meiden und neugierige Nachbarn gar zu hassen. Gesund ist das nicht! Aber sich bei den kleinsten Unstimmigkeiten immer gleich Luft zu machen, ist auch keine Lösung. Jedoch für ein klärendes Gespräch wiederum findet man oft kein Verständnis oder den richtigen Zeitpunkt. Da bleibt einem dann nur das Lästern.

Auch Männer lästern gelegentlich. Etwas weniger subtil vielleicht, dafür umso rüder. Natürlich nicht ganz so oft, weil Männer bekanntlich nicht so genau hinsehen und wir Frauen ihnen prinzipiell wenig Anlass dazu geben;)

Schnappen Sie sich doch auf Ihrer nächsten Familienfeier Ihre Schwester oder Ihre Cousine, gehen Sie mit ihr gemeinsam auf die Toilette – wie früher – und nutzen Sie die Zeit zum Lästern. Über den Lippenstift von Freds neuer Freundin, die Schlipse von Heinz (die garantiert Helga immer für ihn aussucht) oder Ihre jüngste Schwester, die wieder – wie immer – Schleimspuren hinterlässt. Sie werden sehen: Die anstrengende Familienfeier wird zur Komödie, und Sie werden am nächsten Tag Muskelkater vom Lachen haben. Sie kennen das? Ach, Sie lästern auch? Willkommen im Club der Lästerweiber.

Und für alle, die bislang ein derart primitives Verhalten abgelehnt haben: Es tut wirklich niemandem weh – sofern man sich nicht dabei erwischen lässt. Aber darüber ein andermal mehr!

Liebe Grüße

eure Gudrun

5 Kommentare zu: »Über die wohltuende Wirkung des Lästerns«

  1. Ich glaube, ich habe noch nie irgendwo etwas zum ‚lästern‘ gelesen! Tolles Thema! Lästern ist wie eine Spielwiese, wo man sich mal verbal austoben kann – ohne Zensur. Und lästern ist meistens sehr witzig: also die zwei oder drei Beteiligten amüsieren sich und lachen soll ja gesund sein! Grade auch in den Wechseljahren, in denen nun wirklich nicht alles so lustig ist. Wenn lästern einem vertraulichen Dampf ablassen dient (ohne jemanden zu verletzen), nur zu!

  2. Oh ja, liebe Gudrun, ich kann die wohltuende Wirkung des Lästerns bestätigen. Ich, die jahrelang Empathie und Wertschätzung als die Königsdisziplinen der Kunst des Zwischenmenschlichen gepriesen und geübt habe (und übrigens immer noch dafür einstehe), hatte bei der letzten Freiluftparty, angeheizt von heißem Jazz-Rock, eben jenen Läster-Spaß, der meine Lachmuskulatur noch lange danach beschäftigte. Natürlich gab eine liebe Freundin, die die Kunst des Lästerns zugegebenermaßen viel raffinierter beherrscht als ich, den Anstoß. Alleine vor mich hingrinsend kam ich schließlich heim und musste ehrlichen Herzens eingestehen: Es fühlt sich königlich an, endlich einmal die Luft rauszulassen, den kleinen verkümmerten Giftstachel wieder ein wenig zu seinem Recht auf Leben zu verhelfen. Und übrigens, meinem Opfer, einem alten Freund, hat´s überhaupt nicht wehgetan. Es war ja auch Lästern auf hohem Niveau und so mancher selbstverliebte Kerl braucht halt hin und wieder ein paar Seitenhiebe, damit er wieder auf dem Boden landet.

  3. Liebe Wechselweiber,
    auch ich halte das Läsern für eine absolut entspannende Angelegenheit. Es tut einfach gut, auch wenn ich zugeben muss, dass mich dabei des öfteren das schlechte Gewissen plagt! Aber wir können ja nicht immer politisch korrekt handeln, Lästern ist wie Sünde und die muss bekanntlich auch mal sein, oder? In diesem Sinne: Weiter so! Freu mich auf Deinen nächsten Beitrag!

  4. Hallöchen,

    ich frage mich gerade, ob das wirklich nötig ist, sich Applaus fürs Lästern einzuholen.

    Lästern ist oft für andere verletzend, grenzt andere aus, ja kommt fast dem Mobbing gleich. Aber wenn frau das nötig hat, warum nicht.
    Wie wäre es einmal statt dessen mit Verständnis und Toleranz.

    Ich kenne eine Frau, die durch die Lästerei über sie psychisch ganz daneben ist.
    Dabei hat sie gar nichts „Schlimmes“ in dem Sinn gemacht, als daß sie einfach nicht in den Nachbarschaftskreis paßt, in dem sie steckt.

    Aber wenn ich eure Kommentare lese, dann freue ich mich natürlich darüber, daß die Lästerer zu Ihren „wohlverdienten“ Spaß kommen.

  5. Liebe Damen,
    ich freue mich, bei der ein oder anderen einen Nerv getroffen zu haben. Und wie aus euren Kommentaren hervorgeht, seid ihr ja „normalerweise“ auch immer anständig. Genau darum aber geht es in meinem Artikel: Immer gut sein zu wollen, funktioniert nicht auf Dauer. Wir haben nun mal unsere dunklen Seiten, die genauso zu uns gehören, wie die guten.
    Das Lästern ist eine vergleichsweise harmlose schlechte Eigenschaft, mit deren Hilfe man einfach mal ausbrechen kann, ohne gleich zur Beichte rennen zu müssen. Vielleicht ist dies eine Hilfe: loslassen, man kann nicht immer nur funktionieren! Und auch mal über sich selber lachen!
    Eure Gudrun

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