Gastartikel: Ab 50 sind wir unsichtbar? Für wen?

Kürzlich las ich einen Artikel, der glaubhaft machen wollte, dass frau 50+ unsichtbar wird für den Mann. Das konnte ich nicht glauben – vor allem, weil meine Erfahrungen ganz andere sind: Über Mittag gehe ich immer zügig spazieren, so ca. 30 Minuten, und erkunde dabei meinen Arbeitsort, einen idyllischen Flecken nahe des Bodensees. Ich bin in meinen Bürokleidern unterwegs, mit bequemem Schuhwerk.  Ich erlebe, wie mir Männer nachschauen, mich begutachten, den Blick halten – einer hat sogar gepfiffen und das frühmorgens; Autorfahrer halten an, völlig unnötig, weil kein Verkehr, und lassen mir den Vortritt über die Straße. Es sind nicht mehr die ganz jungen Männer, die mir für Augenblicke ihre Aufmerksamkeit schenken. Und es sind die Männer, die mich interessieren würden, wenn – ja wenn… Junge Männer brauche ich nicht, um mich bestätigt zu fühlen. Denen fehlt oft das, was man als „galant“ bezeichnet.

Ich merke aber auch an mir, dass ich mir nicht egal bin. Obwohl alleine im Büro, trage ich jeden Tag andere Kleider, achte auf mein Äusseres und lasse mich nicht gehen. Ich bin es mir wert, heißt es so schön in irgendeiner Reklame. Beim Kauf der Kleider gebe ich heute mehr aus als früher, weil ich nicht mehr so schlank bin, dass ich in alles hineinpasse. Das heißt auch, dass ich sehr darauf achte, dass die Kleider und Accessoires zu mir passen. Weil ich mir so gefalle, ist mein Auftreten ein ganz anderes, als wenn ich unzufrieden mit mir wäre. Und dabei habe ich Falten im Gesicht, die sich auch mit einer Botoxcrème nicht beseitigen lassen. Ich habe Speckröllchen, die ich kaschieren muss…

Fazit: Es hängt ganz wesentlich von mir ab, ob ich unsichtbar bin, für mich selber und für das (männliche) Gegenüber.

Ihre
Andrea Ott

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